: Jan Feddersen
Keinesfalls jede Journalist*in schafft es ins Haus der Geschichte in Bonn, Jan Feddersen ist es gelungen. Eine von ihm mitverfasste Titelseite der taz hing dort, hinter Glas gerahmt, in der Abteilung über die sozialen Bewegungen, die auf die 68er gefolgt waren. „Küsschen aus Karlsruhe“ lautete die Schlagzeile, und der von Feddersen geschriebene Kommentar trug die Überschrift „Ende eines Kulturkampfes“. Das Bundesverfassungsgericht hatte soeben die Homoehe durchgewunken.
Das war einer seiner vielen wuchtigen Artikel. Mann muss die gesellschaftlichen Errungenschaften festhalten, sonst werden sie einem wieder genommen.
Nun ändert der 1957 Geborene seinen beruflichen Status von fest angestellt auf freier Autor – Bezeichnungen wie Rente oder Ruhestand werden, obwohl formal zutreffend, kaum passen. Seine aus dem Stegreif gehaltene Rede bei seinem Abschied im Panoramaraum des taz-Gebäudes – kaum jemand kann frei so beeindruckend sprechen – klang jedenfalls nicht nach einem Zur-Ruhe-Setzen. Alles andere hätte einen bei seiner kreativen Energie auch gewundert. Als eine von vielen Aufgaben hat er etwa auch diese Rubrik betreut.
Reden wir nicht drum herum, dieser Statuswechsel ist alles andere als eine x-beliebige Personalie in der taz. Damit verschieben sich Gewichte. Zu Jans intellektuellem Projekt gehört es – neben dem Einsatz für den ESC und den Schlager, aber das muss man an dieser Stelle niemandem erzählen –, auf Konflikte direkt zuzugehen, auch auf Konflikte innerhalb der Linken. Das löste gelegentlich Skepsis aus. Ist das denn noch links?, wurde und wird immer mal wieder gefragt.
Doch als Teil linker Selbstverständigung war und bleibt diese Unruhe wichtig. Sie lässt sich als Selbstkritik der Linken lesen, und ohne Selbstkritik ist die Linke nicht zu haben. Das Linke ist ja nicht vorhanden, um nur immer neu angewendet werden zu können, übergezogen wie ein Fußballtrikot. Es muss sich immer neu herstellen.
Vielleicht liegt hier auch ein Geheimnis des Überlebenswillens der taz. So viele linke Projekte haben sich über gegenseitige Verratsvorwürfe zerlegt. Die taz aber macht weiter, das Weitermachen ist in ihrer DNA, und die hat Jan mitgeprägt. Im Raum steht jetzt also, dass wir das mit der Selbstkritik – oder, wem es lieber ist, Selbstreflexion – nun ohne ihn hinkriegen müssen. Dirk Knipphals
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen