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wortwechselNicht den Strippenziehern und Brandstiftern ergeben

Die Wahlprognosen für die AfD lassen viele ratlos zurück. Könnte eine Politik, die in der eigenen Lebenswelt positive Spuren hinterlässt, helfen? Oder gibt es keine Lösung?

Es geht um Zerstörung

„Krise der Demokratie: AfD wählen als Triebabfuhr“

taz vom 4. 8. 26

Die Beobachtungen sind zwischenzeitlich alle empirisch unterfüttert. Es geht nicht um eine andere Politik, um eine „Alternative“, sondern allein um die Zerstörung des Bestehenden.

Ich kenne einige dieser Menschen mit diesem Drall nach rechts und beobachte bei fast allen zwei Dinge: zum einen eine tiefe Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, zum anderen einen unpolitischen, fast naiv-kindlichen Blick auf die Verhältnisse. Letzteres meint vor allem, dass sie die Offenheit der Gesellschaft und des politischen Systems, die dadurch bedingten Aushandlungsprozesse nicht verstehen können oder sogar als Bedrohung empfinden. Sie wollen klare Verhältnisse, eigentlich ein behütetes, planbares und, ja, auch das: ein glückliches Leben.

Was helfen und die hohen Zustimmungsraten runterdimmen könnte, ist eine Politik, die in der eigenen Lebenswelt positive Spuren hinterlässt. Es ist mittlerweile eine Binse: Aber eine funktionierende Deutsche Bahn hätte mehr Wirkung als alle aktuellen Programme zur Demokratieförderung zusammen!

Kreisler auf taz.de

Einfach mal aufregen

Saubere Analyse, der Liebermann’sche Fress- und Brechreiz, den sie auslöst, bestätigt mir ihre Richtigkeit. Und NEIN, nicht jeder Kommentar muss eine Lösung anbieten, manchmal muss man sich einfach nur aufregen dürfen.

Randbemerker auf taz.de

Der gute Ernst

Lieber Georg, ich weiß, dass Dein Onkel Ernst fiktiv ist, zumal der Name unter Senioren etwas überrepräsentiert ist – nach 1960 geborene Ernste sind selten, das kann ich als langjähriger Hausarzt bestätigen.

Allerdings muss ich zu Deinem Artikel anmerken, dass ich, Ernst Soldan, *1950, die Grünen mitgegründet hab, das war 1984 in Heidelberg als Grün-Alternative Liste (GAL), sie seitdem wähle und seit November 2025 an den Hamburger Prüf!-Demos für ein AfD-Verbot teilnehme. Deshalb bitte ich Dich, meinen Namen nicht weiter zu verunglimpfen. Herzliche Grüße, Ernst (14-facher Onkel)

Ich will nicht sein wie sie

Und genau das ist es, was mir solche Angst macht. Ich will nicht, dass Onkel Ernst und Cousine Petra mit ihrer unerwachsenen Weidel’schen Fußaufstampferei und ihrem gebrüllten blanken Hass bei gleichzeitigem Ohrenzuhalten hier – mir, uns – alles kaputttreten. Und ich merke, wie aus meiner gefühlten Ohnmacht ihrer nicht mehr eingehegten, von jeder Reflexion und Empathie unbefleckten Emotion gegenüber eine dieser gar nicht unähnliche verzweifelte Wut wächst. Ich will nicht so sein wie sie und ich will mich den Strippenziehern, Nutznießern, Brandstiftern nicht ergeben. hierbamala auf taz.de

Scheuklappen ablegen

„Warum ich die Vorsilbe „Deutsch“ wieder ablegte“, taz vom 4. 8. 26

Vielen Dank an Mohammed Ibrahim, dass er seine Familiengeschichte mit uns geteilt hat, die exemplarisch für das Schicksal vieler Flüchtlingsfamilien ist, dabei jedoch in seinem Fall gedeihlich ausgegangen ist.

Wie viele Familien sitzen in gottverlassenen Lagern in Sudan, Kenia oder in Birma, für die sich buchstäblich niemand interessiert und die keinerlei Lobby haben?! Was mich aber ärgert – wie kann er sein „deutsch“ ablegen? Er hat doch einen deutschen Pass! Damit ist er per definitionem deutsch.

Entscheidet man sich für die deutsche Staatsbürgerschaft, sitzt man mit sehr vielen komischen Menschen im selben Boot. Ob er sich nach dem Bindestrich als Araber, Libanese oder Franke fühlt und bezeichnet, macht da keinen Unterschied. Und wenn er wirklich nicht versteht, warum Menschen mit schwarz-weißem Tuch und hysterischen Slogans auf den Lippen so viel Ablehnung entgegenschlägt, soll er sich vorstellen, eine vergleichbare Demo unter dem Davidstern zöge durch sein Berlin und riefe „Tod den Arabern“! Scheuklappen bitte ablegen!

Clemens Kremer, Hannover

Systemisches Problem

„Skandal um Professor in Großbritannien: Ein Märchenerzähler, dessen Märchen alle hören wollten“

taz vom 9. 8. 26

Der Fall verdeutlicht ein systemisches Problem, welches auch an deutschen Hochschulen omnipräsent ist. Oft sind den Mitarbeitenden die Hände gebunden, wenn sie Verstöße gegen die wissenschaftliche Praxis beobachten und theoretisch melden müssten. Sei es aus finanzieller Abhängigkeit oder bedingt durch die hohen Hürden, die mit einer solchen Meldung einhergehen. Der Fall von Jason Arday legt nahe, wie gravierend und offensichtlich die Verstöße erst sein müssen, bis es überhaupt zur Prüfung kommt. Und selbst dann bleibt das Risiko einer Anzeige des Fehlverhaltens groß, da die Universitäten alle juristischen Mittel ausschöpfen, um ihr Selbstbild zu verteidigen.

Ebenso riskieren Forschende, in ihren kleinen Communitys in Ungnade zu fallen und ihrer Karriere ein frühzeitiges Ende zu setzen. Professoren und Professorinnen lassen sich hier metaphorisch als die unantastbaren Feudalherren an der Universität beschreiben.

Das Hochschulsystem hat sich im Zuge der managerialen und ökonomischen Neuausrichtung in ein Dilemma manövriert und ist sehr anfällig für sogenannte Schaumschläger geworden. Unter dem gegenwärtigen Publikations- und Innovationsdruck erhalten diejenigen eine höhere Chance, die sich gut vermarkten können und ein enges soziales Netzwerk verwalten.

Allerdings sollten Hochschulen und Länder zeitnah nachjustieren, den mit KI-basierten Sprachmodellen ist es gegenwärtig noch leichter geworden, den Schein zu wahren und das geschenkte Vertrauen in die Forschung zu verspielen.

Andreas Deim, Dresden

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen