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Wirtschaft unter PutinRussland in der Bankenkrise

Faule Kredite, sinkende Bargeld-Einlagen, hoher Rekapitalisierungsbedarf: Dem russischen Finanzwesen steht das Wasser bis zum Hals.

Bevor Putin das Internet wieder abstellen lässt und Onlinebanking nicht geht: lieber Bargeld abheben! Foto: Anton Novoderezhkin/Tass/picture alliance

Um seine Siegesparade am 9. Mai auf dem Roten Platz vor ukrainischen Drohnen zu schützen, ließ der russische Machthaber Wladimir Putin das Internet in großen russischen Städten bereits Tage zuvor und seither immer wieder sperren. Es diene der „Stabilität“, begründete der Kreml seine Internetsperren. Sie führen aber zu drastischen Einnahmeausfällen und Insolvenzen von Unternehmen, die ihre Geschäfte vor allem online abwickeln. Für die Banken heißt das: immer mehr unbediente Kredite, Unsicherheit im Finanzsystem.

Durch einen Putin-Erlass von voriger Woche sollen sich russische Banken auch noch Luftabwehrsysteme kaufen und ihre Mitarbeitenden bewaffnen, um die Gebäude der Geldhäuser zu schützen. Anlass war, dass auf der annektierten Halbinsel Krim eine ukrainische Drohne die Zweigstelle der russischen Zentralbank in der Hafenstadt Sewastopol in Brand gesetzt hatte.

Dabei ist die russische Wirtschaft inzwischen auch nach offiziellen Angaben in eine Stagflation gerutscht. Das heißt, wirtschaftliche Stagnation und Inflation treten gleichzeitig auf.

Von einer Bankenkrise spricht inzwischen sogar das kremlfreundliche Zentrum für makroökonomische Analyse und kurzfristige Prognosen. Drei Kriterien dafür seien erfüllt: Der Anteil fauler Kredite, bei denen die Schuldner im Verzug sind und die Rückzahlung als gefährdet gelten muss, liegt inzwischen bei über 11 Prozent. Bankkundinnen und Sparer ziehen einen erheblichen Teil ihrer Einlagen ab. Der Sektor erfordert eine Rekapitalisierung von mehr als 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Bankkunden heben Unmengen an Bargeld ab

Die Internetsperre hatte dazu geführt, dass Bargeld in bisher ungeahnter Höhe von den Banken geholt wurde. Bargeld statt Onlinebanking.

Zudem steigt die Zahl der Firmeninsolvenzen nicht nur wegen der Internetabschaltungen rasant. Seit zu Jahresbeginn die Steuervergünstigungen für den Mittelstand gestrichen wurden, rechnen sich viele Geschäfte nicht mehr. Der Anteil der gewinnbringenden Unternehmen sank im Januar und Februar auf 63,1 Prozent, meldet das Statistikamt Rosstat. Angesichts eines Leitzinses von 13,5 Prozent bei einer Inflation von 5,6 Prozent werden kaum noch neue private Unternehmen gegründet.

Der Einzelhandel läuft so schlecht wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr. Läden in Einkaufszentren werden als Mietwohnungen angeboten, da immer mehr Geschäfte schließen. Und die Preise fertiggestellter Eigentumswohnungen sind im Sinkflug. Das führt zu immer mehr nicht bedienten Krediten. Privatkundinnen und Verbraucher bedienen Konsumentenkredite immer schlechter, weil die Reallöhne stagnieren, statt wie erwartet zu steigen.

Hinzu kommt, dass ein Hauptgeschäft der Banken deutlich an Rendite eingebüßt hat: Der russische Staat zwingt die heimischen Banken, Inlandsanleihen (die sogenannten OFZ) aufzukaufen, um den Staatshaushalt und die Kriegswirtschaft zu finanzieren. Von deren Verzinsung haben die Banken lange gut gelebt, jetzt sind aber die Renditen deutlich gesunken.

Bereits Ende April erreichte das Haushaltsdefizit einen Rekordwert von umgerechnet 71,1 Milliarden Euro, was dem 1,6-Fachen des Plans für das gesamte Jahr entspricht. Rüstung und Armee verschlingen inzwischen etwa 40 Prozent des Staatshaushaltes.

Finanzminister Anton Siluanow denkt laut über eine generelle Ausgabensperre nach – mit Ausnahme des Verteidigungsbudgets, aber inklusive Streichungen staatlicher Kreditsubventionen. Der Ökonom und frühere Vize-Finanzminister Sergei Aleksaschenko ist skeptisch: „Das ist wie ein Schwein zu scheren – viel Geschrei, wenig Fell“, so der Experte. „Es ist ein Schlag für Putins Image.“

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Die stark gestiegenen Ölpreise infolge des Irankriegs retten das Finanzsystem auch nicht: „Der Rubel wertet so immer mehr auf, und trotz hoher Dollar-Einnahmen kommen entsprechend wenig Rubel im Budget an“, so Aleksaschenko. Das heißt: kein Geld für Bankenrettungen.

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