Zustand der Bahn: Schienennetz trotz Milliardeninvestitionen nicht verbessert
Dass die Bahn unpünktlich ist, liegt großteils an maroden Schienen. Der Netzzustandsbericht zeigt: Das Netz wurde nicht schlechter, aber auch nicht besser.
dpa | Die Deutsche Bahn konnte den Zustand ihres teils maroden Schienennetzes im vergangenen Jahr trotz Milliardeninvestitionen nicht verbessern. Das Netz erhielt im heute veröffentlichten Netzzustandsbericht wie schon im Vorjahr die Schulnote 3,0. „Die Trendwende haben wir noch nicht geschafft“, sagte Bahnchefin Evelyn Palla. „Viele Anlagen und Bahnhöfe sind weiter in keinem guten Zustand.“
2025 wurden rund 19,9 Milliarden Euro in die Sanierung des Schienennetzes gesteckt – so viel Geld ist nötig, damit der Sanierungsstau nicht noch größer wird. Dieser liegt laut Philipp Nagl, Chef der für die Infrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGo, bei rund 130 Milliarden Euro.
Im laufenden Jahr sollen 23 Milliarden Euro in das Netz gesteckt werden, 28.000 Baustellen sind geplant. Die Bahn-Manager erwarten, dass mit dieser Investitionssumme der Zustand des Netzes zumindest ein bisschen besser wird. Hinzu kommt, dass in diesem Jahr vier sogenannte Generalsanierungen besonders wichtiger Strecken abgeschlossen werden sollen.
Welche Bereiche in besonders kritischem Zustand sind
Die Bahn unterteilt im Netzzustandsbericht in rund 9.000 Kilometer Hochleistungsnetz und rund 24.000 Kilometer Flächennetz. Das Hochleistungsnetz erhielt die Note 3,04, das Flächennetz die Note 2,96. „Wenn man gut fahren will, muss man auf dem Hochleistungsnetz Richtung 2,5 oder 2,6 kommen“, sagte Nagl zur Einordnung. Alle Anlagen mit einer Note von 4 oder schlechter gelten als erneuerungsbedürftig.
In besonders schlechtem Zustand sind weiterhin die Stellwerke mit einer Note von 4,02 im Gesamtnetz – 0,1 Punkte besser als vor einem Jahr. „Jedes zweite der rund 4.000 Stellwerke ist erneuerungsbedürftig“, teilte die Bahn mit. Die Brücken, deren Wiederbeschaffungswert sehr hoch ist, erhielten die Note 2,64 (2024: 2,78). Die Stellwerke sind besonders wichtig für den Bahnbetrieb, sie stellen zum Beispiele Weichen und Signale, damit die Züge sicher fahren können.
Bahn im April pünktlicher, doch jeder dritte ICE ist zu spät
Die Deutsche Bahn hat ihre Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr im Vergleich zum Jahresanfang jedoch deutlich verbessert – doch auch im April wurde mehr als jeder dritte Fernverkehrshalt zu spät erreicht. Die Pünktlichkeitsquote lag im Fernverkehr bei 64,4 Prozent, wie die Bahn auf ihrer Webseite mitteilte.
Der bundeseigene Konzern kämpft seit Jahren mit der Pünktlichkeit, der Start ins laufende Jahr fiel dabei besonders schlecht aus. In der Regel ist die Pünktlichkeit im Winter etwas höher, weil dann weniger Menschen unterwegs sind. Im Januar lag die Quote aber nur bei 52,1 Prozent, im Februar bei 59,4 Prozent.
Begründet wurden die schlechten Zahlen mit der maroden Infrastruktur, den vielen Baustellen im Netz sowie dem strengen Winterwetter. Für das gesamte Jahr 2026 hält die Bahn an ihrem Ziel von mehr als 60 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr fest.
Auch Nahverkehr pünktlicher als zu Jahresbeginn
Als verspätet gilt ein Zug nach Bahn-Definition ab einer Verzögerung von sechs Minuten. Zugausfälle werden in der Statistik nicht berücksichtigt.
Im Nahverkehr lag die Pünktlichkeitsquote im April bei 89,1 Prozent – das ist der beste Wert im laufenden Jahr. Im Nahverkehr sind die Quoten stets deutlich höher als im Fernverkehr, unter anderem weil hier verspätete Züge aufgrund der Vielzahl an Verbindungen nicht so stark ins Gewicht fallen. Zudem sind die zurückgelegten Wege deutlich kürzer und die Züge damit nicht so anfällig für Verspätungen wie im Fern- und auch im Güterverkehr.
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