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+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++Die Waffenruhe hilft nur ein bisschen

Trotz der von Selenskyj ausgerufenen Kampfpause in der Ukraine greift Russland weiter an, es gibt Tote und Verletzte. Doch die Intensität ist geringer.

Nach einem russischen Angriff in der Stadt Saporischschja am 5. Mai 2026 Foto: Serhii Chalyi/reuters

Weniger Angriffe nach der erklärten Waffenruhe

Nach Beginn einer einseitig von Präsident Wolodymyr Selenskyj ausgerufenen Waffenruhe in der Ukraine hat Russland erneut den Süden des Landes angegriffen. Am frühen Mittwochmorgen sei in der südlichen Region Saporischschja „eine Industrieanlage angegriffen“ worden, erklärte Regionalgouverneur Iwan Fedorow. Verletzte seien nicht gemeldet worden. Die von Kyjiw verkündete einseitige Feuerpause war um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft getreten.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte russischen Agenturen zufolge mit, dass in der Nacht 53 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und über der annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim abgewehrt worden seien – deutlich weniger als zuletzt. Ob die Drohnen vor oder nach Beginn der von der Ukraine angekündigten Waffenruhe abgeschossen wurden, ist nicht klar. Das Ministerium sprach von einem Zeitraum zwischen 21.00 Uhr und 7.00 Uhr Ortszeit (20.00 Uhr und 6.00 Uhr MESZ).

Selenskyj hatte den Beginn der Waffenruhe auf 0.00 Uhr Ortszeit am Mittwoch (Dienstag 23.00 Uhr MESZ) festgesetzt.

Auch die Intensität der russischen Luftangriffe auf die Ukraine ließ nach ersten Informationen etwas nach. Die ukrainische Luftwaffe meldete aber auch nach Beginn der von Selenskyj angekündigten Waffenruhe den Anflug von Drohnen unter anderem nach Charkiw. Am Morgen teilte sie mit, dass Russland seit Dienstag 18.00 Uhr (17.00 Uhr MESZ) mit drei Raketen und 108 Drohnen angegriffen habe. Davon seien 89 Drohnen abgewehrt worden. In der Nacht zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe Angriffe mit 11 ballistischen Raketen und 164 Drohnen gezählt. (dpa)

Putin hat zweitägige Waffenruhe ab Freitag angeordnet

Von russischer Seite hat Kremlchef Wladimir Putin eine Waffenruhe nur für Freitag und Samstag angeordnet, wenn in Russland an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg erinnert wird. Für den 9. Mai ist in Moskau die traditionelle Militärparade auf dem Roten Platz geplant. Selenskyjs Ankündigung einer früheren Feuerpause wurde in Moskau zunächst nicht kommentiert.

Die ukrainische Feuerpause gelte unbefristet, solange Russland nicht angreife, erläuterte in Kyjiw der Präsidialamtschef Kyrylo Budanow: „Wenn die Waffenruhe gegenseitig eingehalten wird, dann setzen wir diese fort.“ Das gebe Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden, schrieb er in sozialen Netzwerken. Selenskyj hatte gesagt, Kyjiw werde spiegelbildlich reagieren, wenn die russische Seite nicht sich nicht daran halten sollte. (dpa)

Trump als Adressat?

Mit ihrem Fernduell um eine Waffenruhe versuchen Selenskyj wie Putin auch, US-Präsident Donald Trump von ihrem Friedenswillen zu überzeugen. Trump und Putin hatten Ende April am Telefon über eine mögliche Waffenruhe zu den Feierlichkeiten zum 9. Mai gesprochen.

Allerdings hat sich Kyjiw immer wieder für einen dauerhaften Waffenstillstand ausgesprochen, dem ein Friedensschluss mit Sicherheitsgarantien für die Ukraine folgen soll. Moskau lehnt längere Waffenruhen ab und setzt trotz zunehmender Schwierigkeiten darauf, seine Ziele in der Ukraine durchzusetzen. Bemühungen um eine Friedenslösung liegen auf Eis, auch weil Trump und die US-Führung durch den Irankrieg abgelenkt sind.

Im vergangenen Jahr sollten anlässlich der Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Weltkriegsendes drei Tage lang die Waffen ruhen. Moskau und Kyjiw haben einander in der Vergangenheit bei Feuerpausen immer wieder Verstöße vorgeworfen. (dpa)

Tote und Verletzte in der Ukraine

Bis kurz vor dem Zeitraum der von Selenskyj angesetzten Waffenruhe bekämpften beide Seiten einander noch mit großer Heftigkeit. Im Laufe des Dienstags tötete die russische Armee mit Luftangriffen und Artilleriebeschuss mehr als 25 ukrainische Zivilisten in Saporischschja, Kramatorsk, Dnipro und anderen Städten.

Die Ukraine traf in der Nacht zum Dienstag eine Rüstungsfabrik und eine große Raffinerie in Russland mit Kampfdrohnen und griff auch den Tag über immer wieder an. Der Flugverkehr der Hauptstadt Moskau war am Abend gestört. Auch die von Russland 2014 annektierte Halbinsel Krim wurde angegriffen. Dabei gab es nach Angaben der Besatzungsverwaltung mindestens fünf Tote in Dschankoj.

In der ukrainischen Großstadt Saporischschja wurden durch russische Bombenangriffe am späten Dienstagnachmittag mindestens zwölf Menschen getötet. Mehr als ein Dutzend weitere wurden verletzt, wie der Gouverneur der südostukrainischen Region Saporischschja, Iwan Fedorow, bei Telegram mitteilte. Bilder zeigten schwere Schäden an Gebäuden und Rauchwolken. Die Front zwischen russischen und ukrainischen Truppen verläuft nur etwa 20 Kilometer südlich der Stadt.

Parallel dazu wurden in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk nach Behördenangaben mindestens neun Menschen durch drei russische Bomben getötet. Die Industriestadt im hart umkämpften Gebiet Donezk ist nur rund 15 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Mindestens vier Menschen wurden durch russischen Raketenbeschuss auf die wichtige Industriestadt Dnipro getötet.

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