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Hantaviren-AusbruchIst das Hantavirus auch in Deutschland gefährlich?

Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs erkranken, drei sterben. In mehreren Fällen ist eine Hanta-Infektion bestätigt. Was man zum Virus wissen muss.

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme von Hantaviren Foto: Hans R. Gelderblom/RKI via dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bekannt gegeben, dass auf dem Kreuzfahrtschiff in der Nähe von Kap Verde mehrere Menschen mit dem Hantavirus infiziert wurden. Bei fünf von ihnen konnte eine Infektion mit dem Virus nachgewiesen werden, drei sind gestorben. Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich dabei um eine südamerikanische Variante des Hantavirus, den sogenannten Andes-Typ, handelt.

Was sind Hantaviren?

Hantaviren sind kleine RNA-Viren, die weltweit vorkommen und Nagetiere wie Mäuse und Ratten als natürliches Reservoir nutzen. Wichtig ist dabei, um welche Virus-Art es sich handelt. In Deutschland kommen vor allem Puumala-Virus und Dobrava-Belgrad-Virus vor. Puumala-Typ sind vor allem im Süden und Westen, Dobrava-Typ im Osten und Norden Deutschlands verbreitet. Auch in anderen europäischen Ländern kommen fast ausschließlich diese zwei Arten vor. Infektionen mit diesen Varianten verlaufen mild und enden in weniger als 1 Prozent der Fälle tödlich. In Südamerika gibt es andere Hantaviren, darunter die Andes-Variante, mit einer deutlich höheren Sterblichkeitsrate.

Was unterscheidet das Andes-Hanta-Virus von den anderen Hantaviren?

Hantaviren werden in der Regel nur durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen werden, etwa durch das Einatmen von aufgewirbeltem Staub, Kontakt der verletzten Haut mit kontaminierten Materialien oder Bisse. Auch Lebensmittel, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere kontaminiert wurden, können das Virus übertragen. Das südamerikanische Andes-Hantavirus ist eine Ausnahme. „Für dieses Hantavirus ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bei engem Kontakt beschrieben“, sagt Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie und Entomologie des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg.

Wie häufig sind Infektionen mit Hantavirus in Europa?

Hantavirus-Infektionen sind insgesamt selten. Für 2023 meldeten 28 Länder in Europa insgesamt 1.885 Infektionen mit diesem Virus. Die Zahlen schwanken stark von Jahr zu Jahr. Zwei Länder, Finnland und Deutschland, machten zusammen 60 Prozent aller gemeldeten Fälle aus.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Die Symptome ähneln denen einer Grippe – Fieber, Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen. Sie treten in der Regel etwa zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung auf. Je nach Virustyp kann die Erkrankung schwerer verlaufen. Nord- und Südamerikanische Stämme können das kardiopulmonale Syndrom verursachen, das in 25 bis 40 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Der Grund ist unter anderem Flüssigkeitsansammlung in der Lunge.

Eine Komplikation durch asiatische und europäische Hantavirusstämme ist das Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom, das meist in mehreren Phasen verläuft. Am Anfang können Fieber, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen auftreten, später Blutdruckabfall, Blutbildveränderungen und eine akute Nierenschädigung mit Eiweiß und Blut im Urin. Bei schweren Verläufen kann es zu Schock, Nierenversagen und selten auch zu Lungenbeteiligung kommen. Bei Infektionen mit den in Deutschland vorkommenden Virustypen kommt es in der Regel zu einem leichteren Verlauf des Hämorrhagischen Fiebers.

Wie lässt sich das Hantavirus behandeln?

Aktuell gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie. „Die Behandlung ist vor allem supportive Medizin: engmaschige Überwachung, Sauerstoffgabe, intensivmedizinische Versorgung bei respiratorischer Insuffizienz (Störung eines Gasaustausches in der Lunge) oder Schock und gegebenenfalls invasive Beatmung“, so Schmidt-Chanasit. Im Falle des Andes-Virus sollten Erkrankte isoliert und enge Kontaktpersonen aktiv überwacht werden, und medizinisches Personal sollte mit entsprechender persönlicher Schutzausrüstung arbeiten.

Gerade weil es keine spezifische Therapie gibt, sollte man sich schützen, um die Infektion zu vermeiden. Dazu gehört vor allem, das Eindringen von Nagern in den Wohnbereich zu verhindern. Die WHO bewertet das Risiko für die Weltbevölkerung durch Hantaviren derzeit insgesamt als gering.

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