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Neue Details zu Drohnenangriff in SudanGezielter Doppelschlag auf Krankenhaus

Der Angriff von Sudans Luftwaffe auf das größte Krankenhaus in Ed Daein wurde laut Experten präzise durchgeführt. Mindestens 73 Menschen starben.

Im Krankenhaus von Ed Daein nach dem Drohneneinschlag vom 20. März Foto: Sudan Tribune

Eine Woche nach Bekanntwerden eines verheerenden Drohenangriffs von Sudans Regierung auf ein Krankenhaus im Gebiet der aufständischen Miliz RSF (Rapid Support Forces) werden immer mehr Einzelheiten bekannt. Eine Auswertung von Satellitenaufnahmen durch das „Humanitarian Research Lab“ der US-Universität Yale, das bereits zahlreiche ähnliche Analysen durchgeführt hat, bestätigt Einschläge aus der Luft an mindestens drei unterschiedlichen Stellen des „Teaching Hospital“ der Stadt Ed Daein.

Dies, so der Bericht, deute auf „multiple präzise Treffer“ hin. Auch der Umstand, dass staatliche Gebäude in der Umgebung, darunter eine in manchen Berichten als eigentliches Ziel genannte Polizeistation, unbeschädigt blieben, deute auf einen gezielten Angriff hin.

Am Freitag, den 20. März, kurz nach dem Fastenbrechen zu Beginn des Zuckerfestes, war das wichtigste Krankenhaus der Stadt Ed Daein mit Drohnen beschossen worden. Lokale Medienberichte nennen mindestens 73 Tote und 113 Verletzte.

Das letzte Krankenhaus der Gegend

Laut der unabhängigen zivilgesellschaftlichen Gruppe Emergency Lawyers setzten die Regierungsstreitkräfte zwei Drohnen türkischen Fabrikats ein. Laut Ärzten erfolgte der erste Einschlag gegen 20.40 Uhr, der zweite zwanzig Minuten später, als bereits die Rettungseinsätze im Gange waren – ein klassischer Doppelangriff, der Opferzahlen zu maximieren versucht.

Es war nach Angaben der Hilfsorganisation Care, die das Krankenhaus unterstützt, der zweite Drohnenangriff auf Ed Daein binnen zwei Wochen. Das Krankenhaus war das letzte noch funktionsfähige dort, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der in Ed Daein tätigen internationalen Hilfswerke.

„Dieser Angriff hat das Krankenhaus komplett funktionsunfähig gemacht“, erklärten sie. „Die Notaufnahme, die Kinderabteilung, die Chirurgie und ein Stabilisierungszentrum für Kinder mit schwerer Unterernährung und damit verknüpften medizinischen Komplikationen wurden zerstört.“

Hunderttausende Menschen stünden jetzt ohne lebensrettende Versorgung da, während das Gesundheitssystem ohnehin vor dem Zusammenbruch stehe. Nach einem Bericht des Sudan War Monitor ist das nächste vergleichbare Krankenhaus 160 Kilometer entfernt und damit praktisch unerreichbar.

Ed Daein mit einer Vorkriegsbevölkerung von rund 300.000 Menschen ist die Hauptstadt der Provinz Ost-Darfur und steht seit November 2023 unter RSF-Kontrolle. Die RSF hat im Laufe des Krieges sukzessive fast ganz Darfur unter ihre Kontrolle gebracht. Ihre Einnahme von El Fasher, Hauptstadt der Provinz Nord-Darfur, Ende Oktober 2025 war von blutigen Massakern mit möglicherweise Zehntausenden Toten begleitet.

Die meisten Gesundheitseinrichtungen Sudans sind zerstört

Drohnenangriffe in Sudan haben in vergangenen Monaten zugenommen. Am 12. März schlug UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk Alarm: In der Woche seit dem 4. März seien allein in Darfurs Nachbarregion Kordofan in Zentralsudan und der Provinz White Nile 200 Zivilisten durch Drohnenangriffe getötet worden.

152 davon gingen auf das Konto von Attacken der Armee auf Marktplätze in der Provinz West-Kordofan. Auch Schulen und Gesundheitseinrichtungen werden regelmäßig getroffen. Ed Daein ist seit der Eroberung durch die RSF sechsmal angegriffen worden.

Seit Kriegsbeginn haben Sudans Kriegsparteien laut WHO 213 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen verübt, bei denen insgesamt über 2.000 Menschen getötet worden sind. Inzwischen seien bis zu 80 Prozent aller Gesundheitseinrichtungen des Landes zerstört oder funktionsunfähig.

Sudans Luftwaffenchef Mohamed El Tahir El Awad steht deswegen bereits seit 2024 auf der EU-Sanktionsliste. Die sich verschärfende Kriegslage in Sudan wird auch Thema auf einer internationalen Sudankonferenz auf Ministerebene in Berlin am 15. April sein, dritter Jahrestag des Kriegsausbruchs. Vergangene Konferenzen dieser Art hatten keinerlei Fortschritte gebracht.

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