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Auswirkungen des Irankriegs in SüdasienGas, Benzin und Düngemittel sind knapp

Engpässe bei Öl- und Gaslieferungen führen in Indien zu Kochgasknappheit. In Bangladesch wird Benzin rationiert, in Pakistan bleiben Universitäten zu.

Transport von Gasflaschen in Kalkutta: In Indien kochen viele Familien und Großküchen mit Gas Foto: Rupak De Chowdhuri/reuters
Natalie Mayroth

Aus Mumbai

Natalie Mayroth

Vor den Gasverteilstellen in indischen Städten, wie etwa der Hauptstadt Delhi, standen die Menschen am Dienstag Schlange. Sie befürchten, dass Flüssiggas (LPG) knapp wird. Die Versorgungslage ist angespannt, deshalb wurde der Preis für LPG-Zylinder am Wochenende erhöht. Die Gaszylinder sind in Indien für Millionen Menschen unverzichtbar, da viele Familien und Großküchen mit ihnen kochen. Höhere Preise treffen besonders Menschen mit niedrigem Einkommen.

Energieimporte gelangen überwiegend über die Straße von Hormus nach Indien. Doch die Passage ist durch die militärische Eskalation im Persischen Golf derzeit unsicher, fast 80 Prozent der 21-Millionen-Tonnen-Flüssiggasimporte Indiens erreichen ihr Ziel nicht. Inländische Ölraffinerien wurden angehalten, mehr Kochgas zu produzieren und dafür Gas aufzubereiten, das sonst anderweitig genutzt wird.

Dass Gas und Öl spürbar knapp werden, räumte inzwischen auch die Regierung ein. Premierminister Narendra Modi und Ölminister Hardeep Singh Puri (beide BJP) berieten sich in einem Treffen. Aus Regierungskreisen heißt es, die Engpässe seien vorübergehend und die Versorgung bleibe gesichert. Indien verfüge über Ölreserven für über 70 Tage. Um Hamsterkäufe zu verhindern und die Verteilung zu stabilisieren, beruft sich die Regierung auf den „Essential Commodities Act“. Damit kann sie Unternehmen verpflichten, die Produktion wichtiger Güter zu erhöhen.

Angespannte Lage auch in Pakistan und Bangladesch

In Bengaluru schlug der Gastronomiebranchenverband Alarm: „Die Lieferung von Gaszylindern für gewerbliche Zwecke wurde ab heute eingestellt“, erklärte der Verband am Montag. Restaurants könnten nicht mehr garantieren, ihren Betrieb überall aufrechterhalten zu können. Das treffe Studierende, ältere Menschen oder Krankenhauspersonal, die häufiger außer Haus essen. Auch wirtschaftlich bringe die Situation Betriebe unter Druck.

Engpässe wurden auch aus Mumbai, Kolkata und Chennai gemeldet. Im westindischen Pune musste ein gasbetriebenes Krematorium schließen. Neben Kochgas wird auch Benzin knapper. Zudem wächst die Sorge vor Lieferschwierigkeiten bei Düngemitteln, die für die Landwirtschaft zentral sind.

Auch Indiens Nachbarn leiden unter der Situation: In Bangladesch wird Benzin seit Sonntag rationiert. Berichte über lange Warteschlangen und vereinzelte Ausschreitungen führten dazu, dass Sicherheitskräfte eingesetzt wurden. Unterdessen bleiben Universitäten geschlossen und die Eid-Ferien werden vorgezogen, um Energie zu sparen. Das Land ist zu rund 95 Prozent von Energieimporten abhängig. Trotz eigener Engpässe lieferte Indien nach Angaben der Bangladesh Petroleum Corporation 5.000 Tonnen Diesel an den Nachbarn.

In Pakistan ist die Lage ebenfalls angespannt. Berichten zufolge kam es zu Panikkäufen von Benzin. Die Regierung kürzte Kraftstoffzuschüsse für Dienstfahrzeuge im Staatsapparat und führte Homeoffice-Regelungen in Behörden ein. Schulen, Hochschulen und Universitäten sollen bis zum 31. März geschlossen bleiben und ausschließlich Online-Unterricht anbieten.

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