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Wegen Trumps aggressiver AußenpolitikDeutsche Industrie will Wasserstoff und Gas aus Kanada

Mehr kanadische Importe sollen unabhängiger von den USA machen. Klimaschützer warnen: Langfristige Gas-Verträge seien nicht vereinbar mit den Klimazielen.

Hier kommt bisher kein kanadischen Gas an: LNG-Terminal auf Rügen Foto: Jürgen Schwenkenbecher/imago

Berlin taz | Deutschland soll mit Kanada in der Energiepartnerschaft enger zusammenrücken, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern, schlägt Volker Treier vor. Treier ist Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer.

Bei der intensiveren Partnerschaft solle es um „Alternativen zum US-amerikanischen Flüssiggas“ gehen, wird Treier im Deutschlandfunk anlässlich der Hannoveraner Industriemesse zitiert. Von Ölimporten war nicht die Rede.

Kanada fördert zwar große Mengen Erdgas. Aktuell bezieht Deutschland aber keines, was in Form von Flüssiggas (LNG) möglich wäre. Denn es gibt keine LNG-Exportterminals an der Atlantikküste Kanadas. Das sollte auch so bleiben, sagte Mira Jäger, Erdgas- und Wasserstoff-Expertin von Greenpeace.

„Alles, was mit einer Ausweitung langfristiger LNG-Verträge zusammenhängt, ist nicht mit den Pariser Klimazielen vereinbar“, sagte sie der taz. Dadurch binde sich Deutschland über Jahrzehnte an den fossilen Stoff, obwohl es 2035 aus dem Gas aussteigen müsse, um seine Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen einhalten zu können.

Auch den Import kanadischen Wasserstoffs sieht Jäger kritisch. Selbst wenn er mit erneuerbaren Energien hergestellt würde, seien die Transportwege über den Atlantik so lang, dass sich die Einfuhr wirtschaftlich kaum lohne.

„Deshalb sollte Wasserstoff möglichst da produziert werden, wo er gebraucht wird.“ Wolle die deutsche Industrie importierten Wasserstoff nutzen, sollte er über Pipelines kommen.

Kanada hat dem Institut Bloomberg New Energy Finance zufolge die weltbesten Voraussetzungen, eine Lieferkette für Batterien aufzubauen. Auf der Rangliste des Instituts überholte Kanada sogar China, das derzeit die Produktion von Batterien und ihren Vorprodukten dominiert.

Neben der Zusammenarbeit beim Wasserstoff soll die kanadisch-deutsche Energiepartnerschaft deshalb auch die Verschränkung der Lieferketten bei kritischen Mineralien voranbringen. „Für die europäische und die kanadische Seite geht es nicht darum, komplett unabhängig von China zu werden“, erklärte Inga Carry, die bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zu nachhaltigen Lieferketten forscht. Vielmehr sei das Ziel, ein „größeres Portfolio an Lieferanten“ zu schaffen.

Dafür sei jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt, weil Kanada sich von den USA lösen wolle. Gleichzeitig zögerten deutsche Unternehmen bei Investitionen in kanadische Energie und Mineralien, weil Donald Trump für große wirtschaftliche Unsicherheit sorge.

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4 Kommentare

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  • Wir kaufen teures LNG bei den US-Amerikanern und in Katar. Es wird als das gute Gas für die Energiewende gepriesen. Das Gas aus Kanada ist klimaschädlich. Das billige Gas aus Russland ist böse. Rein chemisch und energetisch handelt es sich um den gleichen Stoff.

  • Btr. Zitat:

    "„Alles, was mit einer Ausweitung langfristiger LNG-Verträge zusammenhängt, ist nicht mit den Pariser Klimazielen vereinbar“, sagte sie der taz."

    Richtig ist mehr oder minder das exakte Gegenteil.

    Erdgas ist entscheident wichtig für die Erreichung der Klimaziele.

    Denn 100% Erneuerbars sind heute in Deutschland technisch nicht möglich und Wasserstoff-Importe auch nicht.



    --> Und daran wird sich die nächsten 10 bis 20 Jahre nichts oder wenig ändern.

    Erdgas aber ist Verfügbar.



    --> Und bei Stromerzeugung und Stahlproduktion reduziert Erdgas die Emissionen um ca. -66%



    --> Und es passt "struckturel" mit dem Charackter als Lastfolgekraftwerke gut zu einem weiteren Ausbau der Erneuerbaren.

    Mann muss den Tatsachen ins Auge sehen.

    Ohne Erdgas kein Kohleausstieg und ohne Kohleausstieg kein substanzieller Klimaschutz.

    Ein paar Zahlen um das zu untermauern:

    Spez Emissione in Deutschland:

    1992: ca. 750g CO2 / kWh ( viel Kohlestrom)



    2025: ca. 375g CO2 / kWh (50% Erneuerbare + Kohlestrom)



    202x: ca. 165g CO2 / kWh (50% Erneuerbare, Kohleausstieg+Erdgas)



    203x: ca. 82,5g CO2 / kWh (75% Erneuerbare, rest Erdgas)

    • @Jörg Heinrich:

      Genau aus Ihrem genannten Grund und der Tatsache das LNG eine höhere CO2 Belastung hat als Braunkohle müssen wir unser eigenen Erdgasvorräte z.B. in Niedersachsen erschließen.



      Ja, diese sind nicht hoch, aber für die Brücke hin zu erneuerbarer und speicherbarer Primärenergie sollte es ausreichen.



      Alles andere ist Selbstbetrug!



      Die energieintensiven Produktionsprozesse wie Stahl, Eisen, Dünger, Aluminium werden ansonsten hier geschlossen und in Günstigländer verlagert, dort wo die Gesamtkosten am günstigsten sind.



      Das ist dann für das Klima und den Arbeitnehmern ein deutlicher Rückschritt.



      Das ist die Wahrheit unabhängig aller PowerPoint Beteuerungen irgendwelcher selbsternannter Klima ThinkTanks.

    • @Jörg Heinrich:

      Die Frage ist, wie lange wir das Erdgas brauchen und wie langfristig die LNG-Verträge sind.