Sabine am Orde über die Strategie der Thüringer CDU
: Lasst endlich die Normalisierung!

Mario Voigt steckt in einer verzwickten Lage. Die Thüringer CDU, deren Landes- und Fraktionschef er ist, ist formal zwar in der Opposition, aber trägt – auch als Konsequenz aus dem Debakel der Ministerpräsidentenwahl von 2020 – immer wieder wichtige Entscheidungen der rot-rot-grünen Minderheitsregierung mit. Das ist keine einfache Situa­tion, wenn man gleichzeitig von der AfD getrieben wird.

Für Voigt kommt erschwerend hinzu: Er ist deutlich unbekannter als seine beide Gegenkandidaten, die nach der Landtagswahl im September auf den Posten als Regierungschef schielen: Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linken und Rechtsextremist Björn Höcke, dessen AfD-Landesverband als erwiesen verfassungsfeindlich gilt.

In den Umfragen liegt Höckes AfD weit vorn, viele denken, uneinholbar weit. Eine Chance hat Voigt nur, wenn seine CDU mindestens auf Platz zwei landet. Seine Strategie: den weiterhin beliebten Ramelow verdrängen und die Wahl zu einem Zweikampf zwischen Höcke und sich selbst stilisieren. Wer die AfD verhindern will, so das Kalkül, müsse im September CDU wählen. Das kann man als Parteistratege so darstellen. Doch wie die CDU ihren Angriff auf die AfD umsetzt, ist falsch, gefährlich und wird am Ende nicht der CDU, sondern den Rechtsextremisten nützen. Kurz: Es ist ein Trauerspiel, das weit hinter die Erkenntnisse zum Umgang mit Rechtsextremisten zurückfällt.

Am deutlichsten wird dies durch das Fernsehduell, das Voigt nun für April plant: Er will sich einem Zweikampf mit Höcke stellen, ausgestrahlt von Welt-TV. Darin will Voigt die AfD wohl inhaltlich angehen, wie die CDU es mehrfach angekündigt hat. Gegen rhetorisch begabte Demagogen wie Höcke ist die Gefahr, dass jemand wie Voigt verliert, sehr hoch.

Doch die Gefahr besteht ganz unabhängig vom Ausgang des Duells. Denn Höcke bekommt so eine weitere Bühne, um sein extremes Gedankengut auszubreiten und zu verharmlosen. Ein solcher Zweikampf erweckt den Eindruck, die AfD sei eine ganz normale Partei, Höcke ein legitimer Gegenkandidat. Doch genau das ist eben nicht der Fall.