Wann fällt die Maskenpflicht?

Die Infektionszahlen sinken, die Schutzmaßnahmen werden gelockert – und die Stimmen für ein Ende der Maskenpflicht häufen sich. Trotz neuer Mutationen und einer noch zu geringen Impfquote

„Das Risiko, sich anzustecken, ist ohne Maske höher“

Christof Asbach, Aerosolforscher

Von Frederik Eikmanns

Wo ist eine Maskenpflicht noch nötig, um die Coronapandemie unter Kontrolle zu halten? Darüber wird seit Tagen gestritten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schlug gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe vor, die Pflicht zumindest für Außenbereiche bald aufzuheben. Auch Robert Habeck, Grünen-Vizechef, und FDP-Chef Christian Lindner forderten am Montag das Ende der Maskenpflicht im Freien. Eine solche Pflicht ist Ländersache und gilt ohnehin nur noch an wenigen öffentlichen Orten, etwa in Teilen von Innenstädten.

Weniger Einigkeit herrschte am Montag dazu, ob die Maskenpflicht in absehbarer Zukunft auch für Innenräume aufgehoben werden sollte. Dafür hatten Po­li­ti­ke­r:in­nen von AfD und FDP schon am Wochenende plädiert.

Spahn sagte dazu nun, die Maskenpflicht in Innenräumen solle schrittweise fallen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte derweil: „Neben dem Impfstoff ist die Maske das einzig bislang sehr wirksame Ins­trument.“ Auch eine Sprecherin der Bundesregierung mahnte zur Vorsicht. Sie verwies auf die Gefahr, die von Virusvarianten ausgeht. Die Delta-Variante des Coronavirus sorgt derzeit in Großbritannien für erneut steigende Infektionszahlen – obwohl dort über 60 Prozent der Bevölkerung zumindest einmal geimpft sind. Vor diesem Hintergrund rief auch SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dazu auf, vorsichtig zu bleiben. Erst wenn 70 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft seien, könne auf eine Maskenpflicht in Innenräumen verzichtet werden.

Genauso uneins wie SPD und Union zeigte sich am Montag die Opposition im Bundestag. Kordula Schulz-Asche, Infektionsschutz-Expertin der Grünen im Bundestag, sagte der taz: „Momentan haben wir noch keine ausreichende Impfquote, sodass wir in bestimmten Situationen weiterhin eine gewisse Vorsicht walten lassen sollten.“ Über „verantwortungsvolle Öffnungen“ könne höchstens dort nachgedacht werden, wo „die Inzidenzen langfristig sehr niedrig sind.“

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch äußerte sich dagegen in der Welt deutlich forscher: Zum Anfang des nächsten Schuljahres solle die Maskenpflicht in Schulen aufgehoben werden. Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow zufolge sei das Tragen von Masken dort, wo viele Menschen aufeinanderträfen, weiterhin „dringend notwendig“.

Auch Ex­per­t:in­nen nahmen am Montag zur Maskenpflicht in Innenräumen Stellung. Eberhard Bodenschatz vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), ohne Masken drohten wieder steigende Infektionszahlen. Die Epidemiologin Eva Grill von der Ludwig-Maximilians-Universität in München sagte: „Masken sind ein einfacher und wirksamer Schutz, vor allem in Innenräumen.“ Weniger eindeutig äußerte sich dagegen der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach zur dpa: In Innenräumen gehe es letztlich um die Frage, welches Risiko man akzeptieren möchte. „Die Wahrscheinlichkeit, in Innenräumen auf einen Infizierten zu treffen, bleibt mit und ohne Maskenpflicht gleich“, sagte er. Aber: „Das Risiko, sich anzustecken, ist ohne Maske natürlich höher.“

Wie sich ein weitgehendes Ende der Maskenpflicht tatsächlich auf das Infektionsgeschehen auswirkt, lässt sich wohl bald in einem Nachbarland Deutschlands studieren: Dänemark hob am Montag die Maskenpflicht weitestgehend auf. Einzige Ausnahme sind Bus und Bahn, hier ist die Maske aber nur auf Stehplätzen Pflicht.

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