die nachricht

Ebola im Kongo: WHO ruft internationalen Notstand aus

Nach einem Jahr und 1.700 Toten schlägt die WHO im vierten Anlauf globalen Alarm wegen der Ebola-Epidemie im Ostkongo. Sie soll nicht andere Länder erreichen

Das Neue

„Es ist Zeit, dass die Welt Notiz nimmt und wir unsere Bemühungen verdoppeln“, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am späten Mittwochabend in Genf zum Abschluss einer Sondersitzung des WHO-Notausschusses. Deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wegen der Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Der Kontext

In der Region um die Städte Beni und Butembo im Ostkongo war am 1. August 2018 offiziell eine Ebola-Epidemie festgestellt worden. Mittlerweile gibt es nach amtlichen Angaben rund 1.700 Tote. Kongos Gesundheitsministerium zählte bis 16. Juli 2.522 Erkrankungen, davon 1.698 Todesfälle und 717 Heilungen. Jeden Tag steigt die Todeszahl um rund 10. Seuchenbekämpfer warnen seit Langem, die Epidemie sei nicht unter Kontrolle. Ein Grund ist Misstrauen der Bevölkerung gegen den Staat, ein anderer Unsicherheit in der von Bürgerkrieg betroffenen Region. Mehrmals wurden Ebola-Bekämpfer getötet und Gesundheitszentren angegriffen.

Dreimal hatte die WHO bisher den Gesundheitsnotstand abgelehnt, zuletzt im Juni. Ausschlaggebend war jetzt die Ausbreitung der Epidemie. Es gab Ebola-Tote in Uganda sowie in der Millionenstadt Goma an der Grenze zu Ruanda. Beide Länder sind dichtbesiedelt. Erhöhte Wachsamkeit herrscht auch an Kongos Grenzen zu Südsudan und zur Zentralafrikanischen Republik, zwei Bürgerkriegsländer ohne funktionierendes Gesundheitswesen. Sollte sich Ebola dorthin ausbreiten, wäre die Seuche vollends außer Kontrolle.

Die Reaktionen

Hilfswerke verlangen jetzt „eine sofortige und dringende Ausweitung der Hilfsmaßnahmen“ (Save the Children), eine Ausweitung von Impfprogrammen (Ärzte ohne Grenzen) sowie eine bessere Koordination (Oxfam). Alle betonen, dass der Notstand nicht zu Grenzschließungen führen darf. Kongos Gesundheitsministerium warnte vor „unvorhersehbaren Konsequenzen für die betroffenen Gemeinschaften, die stark auf den grenzüberschreitenden Handel angewiesen sind“. Der WHO-Beschluss dürfe nicht bloß Gelder mobilisieren, sondern man erwarte eine „größere Transparenz und Rechenschaft der humanitären Akteure“. Außerdem müsse die lokale Bevölkerung „unverantwortliches Verhalten“ einstellen – die Toten in Uganda und Goma waren aus dem Seuchengebiet dorthin gereist, obwohl sie wussten, dass sie infiziert waren.

Die Konsequenz

Prioritär ist jetzt die Eindämmung der Epidemie. Kongos Gesundheitsminister Ilunga reiste nach Goma, wo 97 Kontaktpersonen des dort verstorbenen Ebola-Kranken aufgespürt und geimpft wurden. Präventionsmaßnahmen an der Grenze wie Händewaschen und Fiebermessen sind verschärft. Und im Epidemiekerngebiet wird davor gewarnt, in Erwartung mehr internationaler Hilfe eigene Bemühungen schleifen zu lassen. Dominic Johnson