heute in hamburg

„Konsumkritik kann demobilisieren“

Foto: privat

Felix Steins, 26, ist seit der ersten studentischen Klimastreik-Vollversammlung in der Gruppe aktiv.

Interview Katharina Gebauer

taz: Herr Steins, was ist die „Klima-Uni von unten“ genau?

Felix Steins: „Klima-Uni von unten“ ist durch die „Fridays for Future“-Bewegung (FFF) entstanden, um diese näher an die Universität heranzubringen. Es gab bis dato kein richtiges Äquivalent der Schülerdemos für Studenten. Die gesellschaftliche Transformation der Klimakrise zieht sich durch alle Bereiche, auch durch die Universität. Wir haben uns demnach kritisch mit der Frage beschäftigt, ob die Uni gegenwärtig in einer Verfassung ist, um sich dem Problem der Klimakrise annehmen zu können. Grenzen zeigen sich in der hierarchischen Struktur der Universität auf, die von Drittmitteln und Geldwettbewerb abhängig ist. Die „Klima-Uni von unten“ versteht sich deshalb als Gegenentwurf zu einer geistigen Schranken unterworfenen Universität. Wir realisieren Klimakrisen relevante Bildung durch Workshops, um innerhalb von FFF Antworten zu finden.

Ist Konsum zwangsläufig immer klimaschädlich?

Konsum an sich ist nicht das Problem, allerdings sehr wohl die Produktion, denn diese benötigt natürlich Ressourcen. Solange wir im Kapitalismus leben, ist die Notwendigkeit von Ressourcen und das Bedürfnis nach Konsum nicht mit den natürlichen Kapazitäten in Einklang zu bringen. Im Vordergrund steht stattdessen das Profitinteresse.

Was bedeutet „Konsumkritik-Kritik“?

Workshop „Konsumkritik vs. Konsumkritik-Kritik“: 14 Uhr, im Wiwi-Bunker, Von-Melle-Park, Raum 0077, Eintritt frei

Der Begriff Konsumkritik wird im politischen Diskurs sehr stark individualisiert. Aussagen wie „Du fährst zu viel Auto“ verzerrt das eigentliche systematische Problem. In unserem heutigen Konsum wird es uns unmöglich gemacht, in einem gesunden Mensch-Natur-Verhältnis zu leben. Schlimmstenfalls hält es sogar Menschen, die nicht unbedingt politisch aktiv sind, von systemischen Fragen ab und demobilisiert sie. Die Optimierung des eigenen Konsumverhaltens geht über sich selbst nicht wirklich hinaus. Stattdessen braucht es eine bessere gesamtgesellschaftliche Optimierung des Herstellungsprozesses unserer Produkte.

Aber bestimmt die Nachfrage nicht das Angebot?

In unserem heutigen Setting ist das stark umgekehrt. Welche Produkte zur Auswahl stehen und wie diese hergestellt werden, folgt einem vorgegebenen Muster, nach dem man konsumiert. Auf den Produktionsprozess haben die Verbraucher wenig Einfluss, ideologische Werbung beeinflusst eher die Konsumenten.