heute in bremen

„Netzwerk von aktiven Nazis um Björn Höcke“

Foto: ZPS

Albert Mondschein, 33, ist Sprecher und „Außenminister“ des Zentrums für Politische Schönheit. Mit bürgerlichem Namen möchte er wegen befürchteter Repressionen nicht mehr auftreten.

Interview Benjamin Moldenhauer

taz: Herr Mondschein, wenn Sie vor das Haus des populärsten deutschen Rechtsradikalen ein Holocaust-Mahnmal hinstellen – ist das ein künstlerischer Akt, der einem auch Genugtuung verschafft?

Albert Mondschein: Es gibt eine Motivation des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS) und es gibt meine persönliche Motivation. Die Motivation des Zentrums ist, die Gerechtigkeit und die Seele der Gesellschaft aufzuwecken. Bei mir ist es so: Ich will in keinem Land leben, in dem Hitler wieder auf der Straße gegrüßt wird. Ich würde lieber sterben, als in so einem Land zu leben. Vor ein paar Tagen sind die Nazis wieder auf den Straßen marschiert. Wenn einen das nicht motiviert, etwas zu tun, dann weiß ich nicht, was passieren muss.

16 Monate lang hat die Staatsanwaltschaft Gera nach der Mahnmal-Aktion vor Björn Höckes Haus gegen das ZPS ermittelt, der Verdacht lautete „Bildung einer kriminellen Vereinigung“. Wie schätzen Sie diesen ja doch singulären Vorgang ein?

Wir haben mit der Mahnmal-Aktion aufgedeckt, dass es ein Netzwerk von aktiven Nazis um Björn Höcke gibt. Höcke hat seine Anhänger aus den benachbarten Dörfern aufgerufen, gegen uns zu protestieren. Die waren sofort da, mit AfD-Plakaten. Drei Tage später hat Höcke uns eine terroristische Vereinigung genannt. Bei der nächsten Aktion, „Soko Chemnitz“, wurde klar, dass es eine Parallelgesellschaft von Nazis in Deutschland gibt. 16 Monate später sieht man, dass das Netzwerk noch größer ist und bis in die Staatsanwaltschaft reicht.

Welche Rolle spielt das Wort Provokation in der Arbeit des ZPS?

Vortrag „Ziviler Ungehorsam“ über Aktionen und künstlerische Aktivist*innen des Zentrums für Politische Schönheit: 17.30 Uhr, HfK, Auditorium, Speicher XI

Unsere Aktionen haben meist drei Teile, die parallel laufen: Bundesregierung, Straße und Online. Wenn die Frage der Aktion an die Bundesregierung gerichtet ist, liegt die Provokation da. Wir stellen Fragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden müssen. Da gibt es keinen Umweg. Manchmal wird auch indirekt geantwortet, zum Beispiel nach der Aktion „Kindertransporthilfe des Bundes“. Wir haben behauptet, dass die Bundesregierung 55.000 syrische Kinder adoptieren will. Danach wurde die Anzahl der Geflüchteten im Kontingent der EU von 20.000 auf 30.000 erhöht.

Das sehen Sie als Ergebnis der Aktion?

Als indirektes Ergebnis.