die dritte meinung

Die Schweiz zeigt, wie der Abschied von Glyphosat funktionieren kann, sagt Peter Grottian

Peter Grottian

ist Hochschullehrer für Politikwissenschaft (FU Berlin) und Akteur/Berater in sozialen Bewegungen. Er lebt in Berlin und am Bodensee.

Julia Klöckner ist eine glaubwürdige Politikerin. Sie versteht als ehemalige Landwirtin etwas von Stall und Weinberg, und ihre Bekundungen, Glyphosat möglichst bald vom Acker zu nehmen, klingen ernsthaft. Trotzdem ist ihr bisheriges Maßnahmenbündel dünn: mehr Forschung, mehr Verbote von Unkrautvernichtungsmitteln, beten in Brüssel. Für die nächste Konferenz der EU-Landwirtschaftsminister ist der vorzeitige Ausstieg aus dem Glyphosat-Komplex bisher nicht auf der Tagesordnung.

Inzwischen ist Bayer durch ein vorläufiges Gerichtsurteil, das einem an Krebs erkrankten mutmaßlichen Glyphosat-Opfer 270.000 US-Dollar zugesprochen hat, ins Trudeln geraten: Die Aktie büßte an einem Tag 10 Milliarden Euro ein, Wirtschaftskorrespondenten berichten, dass der Bayer-Vorstand in heller Panik ist. Wenn die Schätzung zutrifft, dass Bayer nur 5 bis 8 Prozent seines Umsatzes mit Glyphosat bestreitet, dann liegt nichts näher, als die unternehmerische Notbremse zu ziehen und die Glyphosat-Produktion einzustellen.

Ein Blick in die Schweiz könnte Julia Klöckner ermutigen, glaubhaft mit der drastischen Minderung von Glyphosat zu beginnen. Die pfiffigen Schweizer haben ohne große Debatte längst für die Gesellschaft eine befriedigende Lösung gefunden: Die schweizerische Bundesregierung und die Kantone zahlen jedem Bauern pro Hektar und Jahr 600 Franken, wenn sie kein Glyphosat mehr einsetzen. Das hat regional zu Rückgängen bis zu 50 Prozent der Glyphosat-Anwendung geführt.

Schließlich sind die Bürgerinnen und Bürger mit 76 Prozent – über alle Parteigrenzen hinweg – dafür, den sofortigen Glyphosat-Stopp zu verhängen.

Kurzum: Die Lösung ist da – Frau Klöckner. Die Schweizer sind wahrlich keine Revolutionäre, sondern kluge und verantwortungsvolle Menschen. Reden Sie nicht über rechtliche Restriktionen – machen Sie einfach den notwendigen und etwas couragierten Job. Die ernsthafte Einbestellung von Baumann (Bayer) ohne Medienspektakel wäre angemessen.