Bernhard Pötter über die Schadensbilanz im Klimawandel

Nichtstun kostet Geld und Leben

Wäre Donald Trump, was er zu sein vorgibt–ein Geschäftsmann–, dann würden ihn diese Zahlen zum Nachdenken bringen: 2017 war nicht nur das Jahr mit Wärme- und CO2-Höchstwerten in der Atmosphäre. Es gab auch Rekordschäden durch Wetterex­treme wie Stürme, Feuer und Regenfälle: 330 Milliarden Dollar weltweit, hat der Versicherungskonzern Munich Re jetzt verkündet. 10.000 Menschen starben bei den Unwettern.

Diese Verluste gehen nicht alle auf den Klimawandel zurück, und selbst echter Klimaschutz würde sie nicht vollständig verhindern. Die Opferzahlen sind gesunken, die finanziellen Schäden richten sich auch danach, was überhaupt versichert ist. Doch die Tendenz ist klar: Mehr Schäden durch eine zerstörerische Hurrikan-Saison in den USA, große Verluste in Südostasien durch einen außergewöhnlich langen Monsun. Und eine Schadensbilanz, die alle Normen sprengt.

Trump und seine Fans finden das Pariser Klima-Abkommen „zu teuer“ und „unfair für die USA“. Das Kostenargument ist angesichts der aktuellen Zahlen widersinnig. Allein Hurrikan „Harvey“ in Houston kostete 85 Milliarden Dollar, dagegen sind die Ausgaben der USA für den UN-Klimafonds mit einmalig drei Milliarden Peanuts.

Was am Klimawandel unfair ist, zeigen die Zahlen ebenfalls: Fast 200 Milliarden Dollar Schäden waren nicht versichert – oft, weil sie Länder treffen, die zu arm für Versicherungen sind. Dass das nun geändert wird, auch mithilfe von Konzernen wie der Munich Re und mit Geld auch aus Deutschland, ist ein Fortschritt. Aber er ändert nichts an der schreienden Ungerechtigkeit im Klimawandel: Dass die Schäden ganze Volkswirtschaften an den Rand des Zusammenbruchs bringen, die zu dem Problem praktisch nichts beigetragen haben – vom menschlichen Leid ganz zu schweigen. Das sind die Realitäten hinter den Zahlen der Versicherer. Und das ist die Kalkulation, die ein ehrlicher Geschäftsmann im Weißen Haus anstellen müsste.

wirtschaft+umwelt 8