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„Sprache ist Voraussetzung“

Integration Die Sprachbrücke-Hamburg bietet Gesprächsrunden für Zugewanderte an

Annja Haehling von Lanzenauer

Foto: privat

52, ist Projektleiterin der Sprachbrücke und engagiert sich seit 20 Jahren in der sprachlichen Förderung.

taz: Frau Haehling von Lanzenauer, welche Rolle spielt die Sprache bei der Integration von Zugewanderten?

Annja Haehling von Lanzenauer: Das Beherrschen der Sprache ist eine Grundvoraussetzung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Ohne die Sprache kann man sich zum Beispiel keine Wohnung mieten, einen Beruf finden oder – am wichtigsten – soziale Kontakte knüpfen. Auch ist eine gelungene Kommunikation das erste Mittel gegen das Bilden von Parallelgesellschaften. Eine Iranerin, die 2001 nach Deutschland gekommen ist, hat mir mal gesagt, dass sie unheimlich einsam gewesen sei und dies noch nicht einmal auf Deutsch habe formulieren können. Daran sieht man, dass Sprache alle Lebensbereiche umfasst.

Die Sprachbrücke bietet schon seit 2014 in Hamburg Gesprächsrunden an. Ist die Nachfrage in den vergangenen Monaten und Jahren gestiegen?

Nun, natürlich hat man auch in Hamburg gemerkt, dass deutlich mehr Leute gekommen sind, die Deutsch lernen möchten. Doch der Spracherwerb von Zugewanderten war schon immer ein Thema, gerade im weltoffenen Hamburg. Ich bin froh, dass wir mit den Bildungsangeboten in Hamburg schon wesentlich weiter als andere Gegenden sind.

Richten sich die Gesprächsrunden an Anfänger und Fortgeschrittene?

Ja, das ist uns auch sehr wichtig, denn die Teilnehmer helfen sich so auch untereinander sehr gut. Viele Menschen haben Vorkenntnisse, aber trauen sich nicht zu sprechen, weil man immer noch degradiert wird, wenn man nicht perfekt spricht. Das passiert nicht unbedingt absichtlich. Wer nicht einwandfrei spricht, wird zum Beispiel schnell geduzt statt gesiezt und nur noch in Halbsätzen angesprochen, obwohl das nicht hilft.

Sie werben damit, dass die Gesprächsrunden sehr praxisnah seien. Wie stellen Sie das an?

Wir achten darauf, dass die Gruppen nie mehr als zehn Teilnehmer haben. Wichtig ist, dass die Teilnehmer nicht nach jedem Satz unterbrochen und korrigiert werden. Nur so können sie Fortschritte machen. Und damit die Runden nicht langweilig werden, verbinden wir sie mit Ausflügen und Erkundungen in Hamburg. Das kann ein Besuch der Kunsthalle oder, jetzt wo die Politik in aller Munde ist, ein Besuch des Rathauses sein.

Interview Leon Kirschgens

Gesprächsrunde: 15–16 Uhr, Bürgerhaus Eidelstedt, Alte Elbgaustraße 12