Rechtspopulist in grünen Gefilden: Herrn Sarrazin mal reden hören
Ein Verein hat den umstrittenen Bestsellerautor zur Lesung nach Kröpelin eingeladen. Die Vorstandsleitung bilden Mitglieder der Grünen.

Jetzt ist der umstrittene Bestsellerautor für Dienstagabend als Gast bei de DROM im mecklenburg-vorpommerschen Kröpelin angekündigt. Der eingetragene Verein versteht sich als „Gesellschaft zur Förderung von Kultur, Bildung und Gemeinwesen in der Regiopole Rostock“. Das Bemerkenswerte: den leitenden Vorstand stellen Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen.
Auf Einladung von de DROM soll Sarrazin ab 20 Uhr aus seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch „Wunschdenken: Europa, Währung, Bildung, Einwanderung – warum Politik so häufig scheitert“ lesen. 570 Seiten stark, handelt es sich um eine intellektuell eher schlichte Schrift, die über weite Strecken wie eine ausführlichere Version des AfD-Grundsatzprogramms klingt – ein typischer Sarrazin halt.
„Rund 100 Gäste erwarten wir“, sagt Hubertus Wunschik der taz. Der Vereinsvorsitzende mit dem grünen Parteibuch gibt sich verwundert über die Fragen nach der eigentümlichen Veranstaltung. „Wir lassen uns nicht in die rechte Ecken stellen, wir sind kein rechter Verein“, sagt Wunschik, der von 2008 bis 2014 Bürgermeister in Kröpelin war.
Hubertus Wunschik, Vereinschef
Seine Stellvertreterin Christine Borgwald ist ebenfalls bei den Grünen aktiv. Für ihre Partei sitzt sie im Kreistag des Landkreises Rostock. Der Fraktionschef der Grünen moderiert die Abendveranstaltung: Klaus-Michael Bull.
„Miteinander zu diskutieren gehört zu Demokratie“, sagt Wunschik. Sarrazin käme aus der Mitte der Gesellschaft, seine Thesen seien in der Mitte der Gesellschaft, schiebt er nach. Als Verein hätte de DROM auch einen Bildungsauftrag, sagt er weiter. Dieser beinhalte, Raum für kontroverse Debatten zu ermöglichen.
Zu der Veranstaltung, beteuert Wunschik, würden keine Rechtsextremen erscheinen. Aus den Vorbestellungen könnte er sehen, dass aus der Mitte des Bildungsbürgertums die Gäste kommen würden. „Sie wollen hören was Sarrazin zu sagen hat und mit ihm reden“, sagt er.
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