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Wenn die Angst nicht nur virtuell herrscht

Arbeitnehmerrechte Mitarbeiter des Videospiel-Herstellers Goodgames äußern Angst davor, wegen der geplanten Betriebsratswahl gefeuert zu werden. Heute findet die Wahlversammlung statt

Nach den Kündigungen von 28 Software-Entwicklern, Spieldesigner und Marketingspezialisten wegen der Einleitung einer Betriebsratswahl herrscht beim Videospiele-Hersteller Goodgames Studio in Hamburg-Bahrenfeld ein Klima der Angst.

„Keiner traut vor seinen Chefs zu sagen, ob er für oder gegen einen Betriebsrat ist oder vielleicht sogar als Kandidat antreten würde“, heißt es in einem Schreiben einer „Gruppe besorgter Mitarbeiter“ an die taz. Die Gewerkschaft Ver.di hat für heute durch Goodgames die 1.200 Beschäftigten zu einer Betriebsversammlung einladen lassen, auf der der Wahlvorstand für eine Betriebsratswahl eingesetzt werden soll.

Es gebe zurzeit Gerüchte darüber, wer angeblich bereit sei, anzutreten, berichten die MitarbeiterInnen. „Die Betreffenden werden von allen beobachtet und alle warten darauf, dass sie auch rausfliegen.“ Intern liefen Bestrebungen, eine „Mitarbeitervertretung“ zu etablieren. Derartiges gibt es etwa bei der Hamburger Drogeriekette Budnikowsky oder in kirchlichen Einrichtungen: die Vertretungen haben keine gesetzlichen Mitbestimmungsrechte bei Arbeitszeit und Kündigungen.

„Viele sind verunsichert, weil sie nicht wissen wer wirklich dahintersteckt“, heißt es weiter. Die Firmengründer ließen sich seit den Presseberichten kaum noch blicken. Das Management hoffe offenbar, dass die Betriebsratswahl scheitert. „Tatsächlich überlegen viele Kolleginnen und Kollegen, an der Versammlung nicht teilzunehmen, um sich nicht verdächtig zu machen.“ Die besorgten MitarbeiterInnen hoffen daher nun auf externe Unterstützung. „Wir arbeiten gern bei Goodgames Studios, aber es sind Dinge passiert, die uns fassungslos machen.“ KVA

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