piwik no script img

Kommentar SteuerfahndungPfeifen im Alpenwalde

Kommentar von

Rudolf Walther

Wie nervös, im Gegensatz zur Politik, die Schweizer Banken sind, zeigt die Reaktion des Chefs der Bankiervereinigung. Der sprach von "Gestapo-Methoden".

Eine Basis des Fürstentums Liechtenstein ist das Schiebertum. Doch das ist keine fürstliche Spezialität, sondern gedeiht auch auf demokratischem Boden sehr gut. Bestes Beispiel dafür ist die Schweiz. Noch gibt sich die Regierung in Bern betont gelassen. Der Verteidigungsminister erklärte großspurig: "Die Schweiz ist nicht stärker betroffen als jedes andere Land."

Das ist nur zum Teil richtig. Zum Teil ist es auch das laute Pfeifen eines nervös Gewordenen. Richtig ist, dass die Rechtshilfe der Schweizer Behörden weniger restriktiv geregelt ist als die der liechtensteinischen. In beiden Ländern gilt Steuerhinterziehung nicht als Vergehen - also keine Rechtshilfe. Die Schweiz leistet Rechtshilfe nur bei Steuerbetrug. Die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug ist eine Angelegenheit für winkeladvokatorische Spitzenklöppler. Gegen diese zieht der um die Steuern betrogene Staat fast immer den Kürzeren.

Die Schweiz ist in einer besseren Position als das fürstliche Schiebertum, weil sie 2006 mit der EU ein Zinsbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat. Sie erhebt eine Quellensteuer auf ausländische Anlagen und überweist deren Erträge an die Herkunftsländer. Das waren 2006 ganze 537 Millionen Franken, wovon Deutschland 103 Millionen bekam. Kenner der Branche halten das Zinsbesteuerungsabkommen für eine Pille zur Beruhigung der EU-Finanzminister. Peer Steinbrück darf das nicht so laut sagen und schickte den Exfinanzminister Hans Eichel an die Interviewfront.

Das Abkommen beruht auf reiner Doppelmoral. Steuerpflichtig und damit an die Herkunftsländer rückerstattungsfähig sind nur Zinserträge, nicht Dividendenerträge. Diese aber dürften ein Mehrfaches der Zinserträge ausmachen. Obendrein sind von der Zinsbesteuerung nur natürliche Personen betroffen. Wie nervös, im Gegensatz zur Politik, die Schweizer Banken sind, zeigt die Reaktion des Chefs der Bankiervereinigung. Der sprach im Zusammenhang mit der deutschen Steuerfahndung von "Gestapo-Methoden". Die Bundeskanzlerin reist im April nach Bern. Spätestens dann dürfte es ein Ende haben mit der Gelassenheit der Regierenden.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 290 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • A
    Alster

    ''Gestapo- Methoden'' zieht immer. Am besten wäre

    man hätte der Schweiz einige Priester geschickt.

    Hat man damals zu den Nazis gesagt: Das Judengold

    und Judenkapital wollen wir nicht; wir bereichern uns nicht an dem gestohlenen Kapital geschundener

    Menschen? Geld stinkt nicht! Aber nicht wenige

    Bankiers stinken. Jeder gemeine Bürger bekommt

    nach einer solchen Äußerung eine Klage an den Hals.