Kommentar Gaza: Die Türkei als Vermittlerin?

Eine türkische diplomatische Intervention könnte tatsächlich etwas Neues bringen. Denn mit gleichem Abstand zu Israel und zur Arabischen Welt erfüllt Ankara alle Bedingungen eines ehrlichen Maklers.

Müssen wir auf die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland warten, bis dem Krieg im Gazastreifen Einhalt geboten wird? Die Boten aus dem Abendland kommen derzeit ja nicht so recht voran, trotz der Versuche des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Generell wird Europa von Israel nicht allzu ernst genommen. Das liegt vielleicht auch an dem breiten dort vertretenen Spektrum: Bundeskanzlerin Merkel macht für die gegenwärtige Misere allein die Hamas verantwortlich und fährt sich so gleich einmal aufs Abstellgleis. Und Sarkozy fordert vergeblich eine bedingungslose 48-stündige Waffenruhe.

Was aber machen die Einzigen, auf die Israel hört, was machen die USA? Nun - dort ist es unwahrscheinlich, dass es bis zum Machtwechsel am 20. Januar noch zu irgendwelchen nennenswerten Initiativen kommen wird. Bis dahin gibt die Washingtoner Regierung für den Krieg grünes Licht. Also vielleicht doch ein Löschversuch aus dem Morgenland? Wohl kaum: die beiden arabischen Lager, das moderate und jenes, das das Wort "Widerstand" auf seine Fahne geschrieben hat, blockieren sich zurzeit gegenseitig. Derartig polarisiert, kann die Arabische Liga noch nicht einmal ihre ohnehin begrenzten Möglichkeiten ausschöpfen.

Trotzdem: Noch gibt es einen schmalen Silberstreifen am morgenländischen Horizont. Der türkische Premier Tayyip Erdogan tourt durch die Region, und eine türkische diplomatische Intervention könnte tatsächlich etwas Neues bringen. Denn mit gleichem Abstand zu Israel und zur arabischen Welt und dann auch noch mit einer gemäßigten islamistischen Regierung erfüllt Ankara alle Bedingungen eines ehrlichen Maklers. Ergebnis wie immer ohne Gewähr. So wird es schwer werden, beide Seiten auf eine Waffenruhe zu verpflichten. Die Hamas wird keinen Waffenstillstand akzeptieren, solange der nicht mit einer international garantierten Öffnung der Grenzen zum Gazastreifen und einem Ende der israelischen Wirtschaftsblockade einhergeht. Israel möchte die Hamas so weit schwächen, dass es seine Bedingungen für ein Ende des Waffengangs diktieren kann. Ein Ziel, das bisher unerreicht ist - sollte es überhaupt erreichbar sein.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Karim El-Gawhary arbeitet seit über drei Jahrzehnten als Nahost-Korrespondent der taz mit Sitz in Kairo und bereist von dort regelmäßig die gesamte Arabische Welt. Daneben leitet er seit 2004 das ORF-Fernseh- und Radiostudio in Kairo. 2011 erhielt er den Concordia-Journalistenpreis für seine Berichterstattung über die Revolutionen in Tunesien und Ägypten, 2013 wurde er von den österreichischen Chefredakteuren zum Journalisten des Jahres gewählt. 2018 erhielt er den österreichischen Axel-Corti-Preis für Erwachensenenbildung: Er hat fünf Bücher beim Verlag Kremayr&Scheriau veröffentlicht. Alltag auf Arabisch (Wien 2008) Tagebuch der Arabischen Revolution (Wien 2011) Frauenpower auf Arabisch (Wien 2013) Auf der Flucht (Wien 2015) Repression und Rebellion (Wien 2020)

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben