Buchautor Xu Xing über die Buchmesse: "Es könnte Eklats geben"

Die Frankfurter Buchmesse sollte dem Druck von allen Seiten standhalten, sagt Xu Xing. Er selbst ist nicht eingeladen. Seine derzeitigen Bücher dürfen in China nicht erscheinen.

Die Silhouette eines Mannes vor einer Bücherwand auf der Buchmesse in Frankfurt am Main. Bild: dpa

taz: Herr Xu, warum kommen Sie nicht zur Buchmesse in Frankfurt?

Xu Xing: Meine Bücher haben in Deutschland einen Leserkreis, aber ich bin von der Buchmesse bislang nicht eingeladen worden, nur am Symposium "China und die Welt" Mitte September habe ich teilgenommen. Ich weiß nicht warum, und möchte auch nicht unbedingt wissen, warum.

Was erwarten Sie von der Buchmesse?

Sie ist weltweit die größte, wichtigste und einflussreichste Buchmesse. Ich hoffe, dass sie abgesehen von den zu tätigenden Geschäften genug Freiheit bewahrt, um die Ideen zum Ausdruck kommen zu lassen, die es zum Verständnis unterschiedlicher Kulturen braucht. Die Buchmesse sollte dem Druck von allen Seiten standhalten.

Ihre Literatur ist in China, weil sie nicht erscheinen darf, kaum bekannt. Wie lebt es sich als Autor mit solchen Restriktionen?

Mein Name ist in den chinesischen Medien seit 1989 lang nicht mehr aufgetaucht. Danach hat es hat 16 Jahre gedauert, bis ich wieder ein Buch veröffentlichen konnte. Zu meinem Glück hatten mich meine Leser nach all der Zeit noch nicht ganz vergessen. Meine jetzigen Werke können allerdings nicht in China veröffentlicht werden. Das ist natürlich alles schwierig.

Wie hat sich Zensur in jüngster Zeit entwickelt?

Ich schätze die Entwicklung einerseits sehr optimistisch ein: In Zukunft wird wahrscheinlich noch auf einigen Ebenen zensiert werden, im Bereich Sex und Gewalt und in den Bereichen, die als sittenwidrig gelten. Allerdings wird immer mehr Konsens bei den Fragen der Meinungs- und Publikationsfreiheit aufkommen. Andererseits schätze ich die Sache auch pessimistisch ein: Zensur wegen Sex und Gewalt könnte als Ausrede für andere Zensur genutzt werden.

Weiterhin bestimmt die chinesische Regierung, welche Erinnerungen und welche Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Problemen erlaubt sind und welche nicht.

Ich sehe das so, dass es sich dabei noch um ein Ausprobieren handelt, um die letzten Jahrzehnte in den Griff zu bekommen - vorher wollte jeder einzelne Chinese ein Revolutionär sein, jetzt will jeder ein Konsument sein. Die Gründe dafür müssen gesucht werden, und sie liegen tiefer als nur im Bedarf großartiger Bauprojekte.

Könnte es auf der Messe zu weiteren Eklats kommen?

Ich denke schon.

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