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Türkischer Künstler niedergestochenAttentat wegen Denkmal

Der bekannte türkische Maler Bedri Baykam ist am Montagmittag im Anschluss an eine Protestkundgebung niedergestochen und schwer verletzt worden.

ISTANBUL taz | In der Türkei ist der regierungskritische Künstler Bedri Baykam am Montag von einem Unbekannten mit einem Messer attackiert worden und verletzt worden. Baykam hatte zusammen mit seiner Assistentin Tugba Kurtulmus eine Veranstaltung gegen den Abriss eines Friedens- und Versöhnungsdenkmals im ostanatolischen Kars besucht und dort zu Protestmaßnahmen aufgerufen.

Das Denkmal des türkischen Bildhauers Mehmet Aksoy bewegt seit Wochen in der Türkei die Gemüter. Es handelt sich um eine 35 Meter hohe Statue, bei der sich zwei in der Mitte geteilte Figuren gegenübertreten. Damit wird die Versöhnung zwischen dem türkischen und armenischen Volk angemahnt.

Das noch nicht fertiggestellte Denkmal hatte Ende letzten Jahres den Unwillen von Ministerpräsident Erdogan erregt, der das Kunstwerk "monströs" nannte und seinen Abriss forderte. Seitdem wird in der Türkei heftig darüber diskutiert, ob die Freiheit der Kunst am Geschmack des Ministerpräsidenten endet. Offiziell wurde als Grund nachgeschoben, das Denkmal von Mehmet Aksoy verschatte die Grabstätte eines Sufi-Heiligen und hätte deshalb erst gar nicht dort gebaut werden dürfen.

Kulturkampf

Tatsächlich reiht sich das Denkmal damit nahtlos ein in den Kulturkampf zwischen der islamischen Regierung und ihren Anhängern auf der einen Seite und dem säkularen Teil der Gesellschaft, der sich immer mehr bedrängt fühlt, auf der anderen Seite. Bedri Baykam ist in der Türkei nicht nur als ein Maler bekannt, der durch seine Motive immer wieder im konservativen religiösen Lager Anstoß erregt hat, sondern er war zeitweilig auch als Politiker in der säkularen kemalistischen CHP aktiv.

Als er am Montag gemeinsam mit Tugba Kurtulmus die Versammlung verließ, wurden beide auf dem Parkplatz von einem Mann mit einem Messer abgegriffen und schwer verletzt. Bedri Baykam wurde drei Stunden lang notoperiert, ist aber nach Angaben des Istanbuler Polizeipräsidenten nicht mehr in Lebensgefahr. Tugba Kurtulmus liegt ebenfalls mit schweren Verletzungen auf der Intensivstation.

Der Angreifer, ein junger Mann namens Garip Gerekce, stellte sich am Abend der Polizei. Er gab als Motiv an, er hasse Baykam. Weil Bedri Baykam aber gezielt nach der Protestveranstaltung aufgelauert wurde, meint Mehmet Aksoy, es läge doch auf der Hand, dass das Attentat mit dem Protest gegen den Abriss seines Denkmals zu tun habe.

Just am Montag war auch mit den Abrissarbeiten begonnen worden. Eine Istanbuler Firma hat schweres Spezialgerät nach Kars geschafft, ein Gerüst gebaut und will das Denkmal nun von oben nach unten zerschneiden.

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