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Bildschöne BücherWild West Brandenburg

Rainer Sioda hat die Kulturlandschaft Brandenburgs und der USA fotografiert. Er fand dabei überraschende Analogien.

Die Gegenüberstellung ist frappierend. Links meist stellt Rainer Sioda die Ansichten, die er in den Vereinigten Staaten aufgenommen hat und entsprechend rechts die aus Brandenburg. Merkwürdigerweise sieht es aber immer so aus, also ob es sich um dieselbe Landschaft, genauer noch, um ein und denselben Kulturraum handelte. Wie kann das sein? Wodurch entsteht diese verblüffende Verwandtschaft?

Zunächst natürlich durch die Übernahme von US-amerikanischer Alltags-Ikonografie oder auch Freizeitarchitektur in Brandenburg. Da gibt es Westerndörfer und alte Polizeiautos, auf denen noch immer „Jefferson County Sheriff“ zu lesen steht. Dann aber sieht der Fotograf auch die subtileren Analogien oder „Transatlantic Relations“ − wie er sein knapp 150 Seiten starkes Bilderbuch nennt.

Und hier, bei der Gegenüberstellung etwa zweier Tankstellen, die eine in Teltow Fläming, die andere in Hartford, South Dakota, wird es dann richtig spannend. Denn Hartford sieht viel deutscher aus als Teltow-Fläming. Überraschend auch der Vergleich einer Landstraße, die sich bei Raton, New Mexico am fernen Horizont verliert mit dem kurzen Betonweg, der zwischen zwei sich gegenüberstehenden Garagenreihen auf einen kleinen Kiefernwald stößt. Nichts ist hier ähnlich und trotzdem ist die Anordnung stimmig.

Das unerschöpfliche Spiel des Vergleichens

Das Buch

Rainer Sioda, Transatlantic Relations. PogoBooks, Berlin 2014. 144 Seiten, 110 Bildtafeln, 48 Euro.

Gerade beim mehrmaligen Durchschauen fällt auf, wie man sich über jede Doppelseite, die man aufschlägt, wundert und freut. Ob Lagerhallen passen oder Denkmäler, Birken, Holzkreuze, Strommasten und manchmal nur ein bestimmtes Rosarot: immer ist da eine gewisse Komplikation im Spiel des Vergleichs, so dass er sich nie erschöpft.

Dank zahlreicher Fahrten durch das Berliner Umland mit den Rennrad hat Rainer Sioda seine Wahrnehmung für die Besonderheiten der Dörfer, Wege und Wälder offensichtlich extrem geschult. Das kam ihm auch bei seiner Reise 2012 durch das ländliche Amerika zugute. Eigentlich verfolgt der Fotograf wie er sagt, in seiner Fotografie einen sachlich-deskriptiven, dokumentarischen Ansatz. Der freilich durch provinzielle Inszenierung der Landschaft in den USA und Brandenburg aufs Surrealste gebrochen wird.

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