Kommentar Klimaschutzziele der USA

Bis die Tea Party kommt

Die USA wollen ihren CO2-Verbrauch senken. Doch nach Obama kann sich das schnell wieder ändern: Für die Tea Party ist Klimaschutz Teufelszeug.

Dass Hurricane „Sandy“ Folge des Klimawandels war, leugnen viele Republikaner. Bild: dpa

Die USA wollen ihren Ausstoß an Klimagasen um 28 Prozent senken! Wow. War das nicht dieses Land, in dem jeder Schokokeks im Supermarkt in zwei Plastiktüten gepackt wird und draußen der Motor des 15-Liter-Wagens läuft? Sind Amis jetzt öko?

Nein. Der Reihe nach: Im Dezember 2015 soll ein internationales Abkommen zum Klimaschutz stehen. Weil derartige Vorhaben stets scheiterten, gehen die Verhandler der UN neue Wege. Bereits jetzt melden Regierungen nach New York, was sie tun wollen, um die Erderwärmung zu begrenzen. Es sind freiwillige Ziele, die am Ende addiert werden. Die USA nun melden ihre Zahlen: 2025 soll der Klimagas-Ausstoß, gemessen an 2005, um 26 bis 28 Prozent verringert werden.

Tatsächlich sinken die Emissionen in den USA seit fünf Jahren. Allerdings ist die Entwicklung eher zufällig, weil weniger schädliche Gaskraftwerke die ältesten Kohlekraftwerke vom Markt drängen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich eine US-Regierung zum Klimaschutz verpflichtet.

Bill Clinton unterschrieb 1997 das Kioto-Protokoll zur Senkung von Treibhausgasen, scheiterte aber im US-Senat, der unter republikanischer Mehrheit die Ratifizierung verweigerte. Auch heute lebt ein Teil der USA in einer Parallelwelt aus Pseudowissenschaft, Fox News und ewigem Ölwachstum.

Die Republikaner und ihr extremistischer Arm von der Tea Party lehnen jedweden Klimaschutz ab, manche sehen darin gar wortwörtliches Teufelszeug. Arme Irre, die leider die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben und womöglich den nächsten Präsidenten stellen. Die Republikaner lassen derzeit keinen Zweifel, dass sie in dem Fall sämtliche Regelungen der Obama-Regierung zum Klimaschutz zurücknehmen wollen. Der entscheidende Tag für das Klima ist deshalb der 8. November 2016 – die nächsten US-Präsidentschaftswahlen.

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Schreibt seit 2008 für die taz. Beschäftigt sich mit der Frage, ob Kapitalismus auch öko kann. War Korrespondent in Baden-Württemberg, gründete erfolglos ein Magazin und besuchte eine Journalistenschule. Ist außerdem Elektroingenieur.

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