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Schüler für Gnade

■ In Bremen-Nord wollen SchülerInnen eine Klassenkameradin vor Abschiebung bewahren

Unter den AchtklässlerInnen im Schulzentrum Sandwehen herrscht Aufruhr. KlassenkameradInnen fürchten, daß einer kurdischen Mitschülerin die Abschiebung droht. In kürzester Zeit haben sie an ihrer Schule im Bremer Norden dagegen 250 Unterschriften gesammelt, weitere sollen folgen. Auch die Protest-Transparente fürs Treppenhaus sind bereits gemalt; ein Brief an Bürgermeister Scherf ist schon unterwegs, und ein für kommenden Dienstag geplantes Klassenprojekt – ein Ein-Tages-„Restaurantbetrieb“für Eltern und Bekannte, der den SchülerInnen durch Speisenverkauf Geld für Klassenfahrten in die Kasse spülen sollte –, wurde vorerst abgesagt.

„Wir werden an dem Tag wohl vors Rathaus ziehen“, kündigt die Klassensprecherin der 8c an. Sie ist eine Freundin der Kurdin – von der sich an der Schule kaum jemand vorstellen kann, daß diese jetzt allein in die Türkei zurückkehren soll. „Sie lebt hier in Deutschland, seit sie vor sieben Jahren mit den Eltern hierher gekommen ist.“In der Türkei habe die Schülerin keine Verwandten mehr, auch spreche die junge Frau kein Türkisch, nur Kurdisch. „Wenn sie Gedichte schreibt, tut sie das sogar in Deutsch“, sagt ihre Freundin.

Jetzt hoffen die SchülerInnen und viele LehrerInnen der Hauptschule, daß das Ausländeramt Gnade walten läßt. Denn noch hat der Vater, nach einer ersten Asylablehnung, einen Folgeantrag gestellt. Die Mutter und die übrigen Geschwister dürfen bis zu einer Entscheidung deshalb bleiben – nur die mittlerweile volljährige Tochter, die Schülerin der 8c, soll einer ersten Aufforderung zufolge ausreisen. „Mutterseelenallein, das geht doch nicht“. Deshalb will sich auch die frühere Grundschullehrerin der jungen Frau für sie einsetzen. ede

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