Der grüne Ministerpräsident Kretschmann will sich an das Ergebnis der Volksabstimmung zu S21 halten – trotz Meinungswandel in der Bevölkerung.von Nadine Michel

„Umfragen ersetzen nicht die Volksabstimmung“, sagt Winfried Kretschmann. Bild: dpa
STUTTGART taz | Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will keine Konsequenzen aus der gekippten Stimmung im Land gegen Stuttgart 21 ziehen. „Umfragen ersetzen nicht die Volksabstimmung“, sagte Kretschmann am Montag der taz. „Sie hat das Projekt legitimiert, die Landesregierung ist an das offizielle Votum gebunden.“
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Eine Umfrage im Auftrag der taz und der Wochenzeitung Kontext hatte ergeben, dass 54 Prozent der Baden-Württemberger das Bahnprojekt inzwischen ablehnen. Nur noch 39 Prozent befürworten es.
Grund für die gekippte Stimmung dürften vor allem die explodierenden Kosten für den Bau des Tiefbahnhofs sein. „Angesichts der jetzt bekannt gewordenen Mehrkosten in Milliardenhöhe und der desaströsen Informationspolitik der Bahn ist es für mich durchaus nachvollziehbar, dass die Umfrage einen Meinungswandel beim Projekt Stuttgart 21 zeigt“, sagte Kretschmann. Die grün-rote Landesregierung führe aber keine Ausstiegsdebatte, sondern begleite den Bau des Tiefbahnhofs „konstruktiv-kritisch“.
Das „konstruktiv-kritische Begleiten“ empfinden S-21-Gegner und Grünen-Anhänger jedoch immer wieder als zu lasch. Seit Wochen drängt Kretschmann durch mündliche Appelle an die Deutsche Bahn und den Bund als Eigentümer auf mehr Transparenz und eine gesicherte Finanzierung.
Den Ausstieg will er aber selbst nicht forcieren – mit dem Argument, er müsse sich an den Willen des Volkes halten und sei qua Amt Projektbefürworter. In der Verantwortung stünde jetzt Berlin. „Wir verlangen für den Fall, dass der Aufsichtsrat beschließen sollte, das Projekt fortzusetzen, darüber hinaus eine Garantie, dass das Projekt Stuttgart 21 durchfinanziert ist, sprich, dass die Bahn bereit und imstande ist, auch mögliche weitere Mehrkosten zu übernehmen.“
Am 5. März entscheidet der Aufsichtsrat, ob er der Bahn grünes Licht für den Weiterbau gibt. Obwohl dieser bis zu 2,3 Milliarden Euro teurer werden könnte, verdichten sich die Hinweise, dass die Bundesregierung am Projekt festhalten will. Die Bahn solle weiter versuchen, die Projektpartner Land, Region und Stadt Stuttgart an den Mehrkosten zu beteiligen.
Darauf dringt auch Bahnchef Rüdiger Grube. Andernfalls wolle er klagen. Sollten Land und Stadt bei ihrem Nein bleiben, „müssen das die Gerichte entscheiden“, sagte er am Montag. „So ist das nun mal in Deutschland.“
Regierungschef Kretschmann aber zieht auch in diesem Fall die Volksabstimmung als Argument heran. „Bei der Volksabstimmung wurde unter der Maßgabe des Kostendeckels abgestimmt. Deshalb stärkt uns das Ergebnis der Volksabstimmung auch in der Position, am Kostendeckel festzuhalten.“
Studenten unterschreiben einen Ehrenkodex, Firmen bestimmen das Fach: Der DGB übt scharfe Kritik am Deutschlandstipendium. von Bernd Kramer

„Stuttgart 21“ ist eines der teuersten Bahnprojekte aller Zeiten in Deutschland: Der Kopfbahnhof der Stadt soll durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof samt Zu- und Abfahrtsgleisen und Flughafenanbindung ersetzt werden. Wo jetzt noch Schienen liegen, sollen künftig Wohn- und Gewerbebauten entstehen.
Der neue Bahnhof sollte ursprünglich Ende 2017 fertig sein, intern rechnet die Bahn laut Medienberichten nun mit 2022. Ein breites Bündnis von Bürgern protestiert allerdings gegen den Umbau. Ihre Argumente: Der Tiefbahnhof sei betriebsschädlich, nicht bahnkundenfreundlich, umweltbelastend und viel zu teuer. Sie haben mit dem Projekt „Kopfbahnhof 21“ ihre eigenen Pläne.
Der heißeste Ort der Welt, ein Tiger macht Kopfstand und Bäume in Käfigen. Unsere Bilder der Woche.

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.


Leserkommentare
27.02.2013 15:09 | antares56
Kretschmann wird den Bau durchziehen, egal was das Volk darüber denkt und was es kostet! Kretschmann ist doch eigentlich ke ...
27.02.2013 08:45 | Hari Seldon
@bauesel ...
26.02.2013 19:12 | bauesel
Auch wenn einige das hier anders sehen: Kretschmann spielt seine Rolle im Widerstreit S21 sehr gut. Warum? ...