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zurück in die zukunft

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stritt die sogenannte „erste Welle“ der Frauenbewegung in Paris unter anderem für das Recht, zu wählen und Hosen zu tragen. Wie revolutionär muss vor diesem Hintergrund die Idee dahergekommen sein, Frauen könnten sich vom Stillen eines Babys unabhängig machen? Der „Nourice Automatique“, der automatische Futterspender einer anonymen Zeichnerin oder eines anonymen Zeichners aus dem Jahr 1910, verspricht genau das. „Les femmes modernes“, also die modernen Frauen, können ihre Babys hier mit „lait frais“, frischer Milch, versorgen. Auffällig ist natürlich, dass die Aufgabe der Nahrungsversorgung in der Szenerie trotz der Automatisierung eine Dame übernimmt. Der Kinderwagen ist daneben geparkt, das Füttern kostet nur zehn Centimes und die Frau kann danach rasch wieder ihren Erledigungen nachgehen. Dabei könnte ja auch ein Herr seinem Säugling einen der Milchschläuche mit Schnuller-Ende reichen. Die Zeichnung lässt damit ein Dilemma der Emanzipationsgeschichte erahnen, das die feministische Bewegung bis heute nicht überwunden hat. Auf der einen Seite haben viele Frauen und queere Menschen gesellschaftliche Teilhabe, zum Beispiel in Form von Wahlrecht, dem Zugang zum Arbeitsmarkt, Verhütung und eben Alternativen zum Stillen im Laufe des vergangenen Jahrhunderts erstritten. Gleichzeitig gehört meist unbezahlte Sorge­arbeit wie Kinderversorgung nach wie vor zu ihren Pflichten. Laut Statistischem Bundesamt investieren Frauen in Deutschland täglich rund 79 Minuten mehr in diese Arbeit als Männer. Die Postkarte, die wohl als feministische Utopie gedacht war, greift eher dem Konzept der Working Mom voraus, die im Homeoffice zwischen Konferenzen und Mails auch Hausaufgabenbetreuung und Babyfüttern übernimmt. Marie Gogoll

Zukunftsbilder aus der Vergangenheit

und was man aus ihnen lernen kann, erkunden wir hier in jeder Ausgabe.

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