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wortwechselZwischen Nahostkonflikt und Judenfeindschaft

Antisemitische Vorstellungen finden sich auch in Teilen muslimisch geprägter Gesellschaften. Ihre Ursachen reichen jedoch weit über aktuelle Ereignisse hinaus.

Differenzierte Sicht

„Ein Feindbild mit vielschichtigen ­Wurzeln“,

wochentaz vom 2. – 9. 10. 26

Ich habe hier gerade das erste Mal über eine differenzierte Sicht auf einen muslimischen Antisemitismus gelesen. Ich kann sagen, ich warte seit Jahren auf diese Diskussion. Die letzten zwei Wochen waren geprägt von der Antisemitismusschelte gegen die Linke, ohne die hier nun vorliegende Einordnung. Wie ätzend sind die ewigen Wiederholungen von jedermann (Özdemir zum Beispiel).

Seit Jahren warte ich auf eine differenzierte Betrachtung des wachsenden Antisemitismus, der immer schlimm ist, aber dennoch verschiedene Hintergründe hat. Das ist ein Muss, wenn man ihn bekämpfen will. Daher noch mal danke!

Hildegard Mainus auf taz.de

Kein Nebenprodukt

„Ein Feindbild mit vielschichtigen ­Wurzeln“,

wochentaz vom 2. – 9. 10. 26

Immerhin: Nach Jahren der Debatte scheint langsam die Erkenntnis durchzudringen, dass muslimischer Antisemitismus tatsächlich existiert und nicht ausschließlich ein Nebenprodukt böser europäischer Kolonialgeschichte ist.

Besonders interessant ist allerdings die Behauptung, es gebe in Deutschland keinen „dritten Raum“, in dem Hamas-Massaker und palästinensisches Leid gleichzeitig benannt werden könnten. Vielleicht liegt das Problem weniger am fehlenden Raum als daran, dass man sich gelegentlich entscheiden muss, ob man Judenhass tatsächlich als Judenhass bezeichnet – auch wenn der Täter aus dem politisch oder gesellschaftlich bevorzugten Milieu kommt.

Der Artikel erklärt jedenfalls sehr ausführlich, wie Antisemitismus historisch entstanden ist, instrumentalisiert wurde und sich mit Antizionismus vermischt hat. Nur bei der naheliegenden Konsequenz wird es wieder erstaunlich vorsichtig: Antisemitische Ideologie muss nicht nur „verstanden“, sondern auch klar zurückgewiesen werden – unabhängig davon, ob sie von Nazis, Islamisten, Linken oder sonst wem kommt. Aber immerhin: Ein Anfang ist gemacht.

Zippism auf taz.de

Fehlende Empathie

„Ein Feindbild mit vielschichtigen ­Wurzeln“,

wochentaz vom 2. – 9. 10. 26

Der Artikel spricht etwas sehr Richtiges an, im Moment fehlt es leider völlig an einer Debatte. Das Problem ist, dass es an Empathie für die Gegenseite fehlt, auf beiden Seiten. Das Grauen des 7. Oktober hier, der völkerrechtlich kaum zu rechtfertigenden Krieg gegen die Palästinenser dort. Auf beiden Seiten wird der Hass geschürt, das selbst erlittene Unrecht zum Anlass für eigene neue Gewalt ­genommen.

Natürlich gibt es Judenhass unter den Muslimen, er hat sicher andere Quellen als der Judenhass in Europa. Er ist am Ende aber ebenso negativ und schädlich. Auf der anderen Seite gibt es Hass auf Muslime, der die andere Seite der gleichen Medaille ist. Den anderen als Menschen sehen, ihn verstehen wollen, nur dann kann sich etwas ändern. Leider gibt es derzeit keine Anzeichen, dass sich die Dinge in diese Richtung ändern.

FtznFrtz auf taz.de

Weiter so

„Wollen wir nicht besser sein?“,

wochentaz vom 26. 9. – 1. 10. 26

Zu Ihrem bemerkenswert klaren, abgewogenen und analytisch hellsichtigen Beitrag gratuliere ich! Ich bin sehr froh, dass Sie sich durchgerungen haben, zu diesem Thema zu schreiben. Es ist nicht nur im Interesse der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, dass antisemitischen Tendenzen, egal ob von rechts, links, aus der Mitte oder von sonst wo, entgegengetreten wird.

Die Linke muss sich aber jetzt entscheiden, ob sie nicht nur als sozial auf der Seite der Schwächeren verortet wird, sondern auch noch als emanzipatorische und den Grundwerten unserer Verfassung verpflichtete Partei der Aufklärung. Die Niedertracht hat schon genug Anhänger, eine dezidiert linke Partei sollte ihr nicht zusätzliche Nahrung reichen. Weiter so, und bitte nicht einschüchtern lassen.

Matthias Müller, Braunschweig

Menschliche Reife

„Als ob eine Bombe platzt“,

wochentaz vom 2. – 9. 10. 26

Der Autorin möchte ich für die empathischen Fragen danken, die ganz wesentlich zum Gelingen dieses wertvollen Interviews beigetragen haben. Mein ganz besonderer Dank gilt dem Gesprächspartner Jörg Begler. Seine Antworten zeugen vom Beginn bis zum Ende des Interviews von einer großen inneren Tiefe und menschlichen Reife. Durch seine auch verletzlich machende Offenheit und seinen Mut hat er auch anderen homosexuellen Menschen einen Sympathiebonus gegeben, der gerade in dieser Zeit, in der längst überwunden geglaubte gewaltvolle Männlichkeitsbilder neue Anhänger finden und Homophobie wieder zunimmt, so wichtig ist.

Für das Verständnis für schwule Männer – besonders auch als Vorbilder im Lehrerberuf an Schulen – und ihre Akzeptanz durch die Schülerschaft, deren Eltern und das Kollegium hat Jörg Begler mit seiner Zivilcourage einen großen gesellschaftlichen Beitrag geleistet. Mein Dank gilt auch der taz insgesamt, dass sie diesen Beitrag veröffentlicht hat.

Clemens Ronnefeldt, Freising

Mehr als ein Label

„Keine Milch mehr“,

wochentaz vom 26. 9. – 1. 10. 26

Es ist hoch anzurechnen und mutig, trotz aller Widrigkeiten auf einen veganen Betrieb umzustellen. Danke für dieses Engagement. Aber allein das Label „vegan“ reicht nicht aus, wenn man sich beispielsweise aus klimapolitischen Gründen dazu entscheidet, wie Familie Möller. Es ist ein erster wichtiger, großer Schritt, da die Hälfte Deutschlands landwirtschaftlich genutzte Flächen sind, von denen 60 Prozent allein für Tierfutter genutzt werden. Diese Flächen bräuchten wir eigentlich, um eine Wiederbewaldung voranzubringen, die uns bei der Bewältigung der Klimafolgen helfen kann. Allerdings ist es nicht konsequent, dann mit „Bergen von Holzpellets“ zu heizen, der klimaschädlichsten Energiegewinnung überhaupt.

Außerdem müssen Maßnahmen gegen den Klimawandel immer auch größer betrachtet werden und einhergehen mit einer gesunden, intakten Umwelt, stabilen und artenreichen Ökosystemen. In dem Artikel steht nichts davon, dass Familie Möller biologisch wirtschaftet, das bedeutet, der Pestizid- und Düngeeinsatz auf ehemaligen Weiden, die zu Äckern umfunktioniert werden, richtet sich gegen Artenvielfalt und gesunde Böden.

Jennifer Huppertz