wortwechsel: Reformen reichen nicht bei der Klimakrise - was tun?
Wandel bringt nicht genug Rendite, daher müssen die Bürger*innen radikaler werden, schlägt die taz vor. Transformation statt kaputt machen ist aber auch ein Vorschlag.
Lieber Transformation
„Macht kaputt, was euch die Zukunft nimmt“ taz vom 29. 6. 26
Ich kann den Ärger verstehen, aber wie Sie ihren Artikel schreiben, ist es schlechter linker Populismus. Zum Ersten ist er vom Titel her eurozentrisch. Zum Zweiten geht es mit Kaputtmachen (leider) nicht. Wenn etwas kaputt (gemacht) ist, dann ist ja noch nicht automatisch der Ersatz da. Dafür ist unsere Gesellschaft zu komplex.
Was wir brauchen, sind auch ein paar Perspektiven, die aus Sicht der breiten Bevölkerung machbar sind. Sonst nehmen wir sie nicht mit. Bitter, aber wahr. Kaputt machen oder darüber schreiben befriedigt kurzfristig, hilft aber nicht. Es gibt doch in der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Beschäftigung mit Transformation.
Ich würde Sie bitten, mal vielleicht das Thema aufzugreifen, und ebenso kurz und knackig für eine sinnvolle Transformationspolitik zu werben. Die darf dann ruhig im Sinne der Namensgeberin der Stiftung für eine offene Entwicklung zum Sozialismus formuliert sein.
Helmut Hugler, Berlin
Vorbild Elke Kahr
„Macht kaputt, was euch die Zukunft nimmt“, taz vom 29. 6. 26
Ihr revolutionärer Aufruf ist vollkommen begründet und mir durchaus sympathisch, aber viel mehr interessiert mich die Frage, WIE man denn das System kaputt machen kann. Doch nicht damit, draußen alles kurz und klein zu schlagen oder gar auf Führungskräfte Attentate zu verüben. Wie soll es denn nach Ihrer Meinung gehen?
Das Verrückte an unserer Demokratie ist doch, dass derzeit eine Partei immer mehr favorisiert wird, die das ganze Elend noch zur Potenz erheben würde, genau wie „damals“. Und mit jeder Reform macht „Berlin“ es nur noch schlimmer, mit jeder Warnung vor dieser Partei ebenfalls. Besser machen, wäre angesagt, so wie Elke Kahr in Graz. Wenn Sie einen Rat wissen, wie Ihr Aufruf sinnvoll umsetzbar wäre, würde ich sofort mitmachen.
Michael Stolze, Timmendorfer Strand
Solidarisches System
„Was schlägt die Rentenkommission vor?“ taz vom 27. 6. 26
Klar ist, das gesamte Sozialsystem gehört auf den Prüfstand, muss neu geordnet werden. Dies muss allerdings generationengerecht, sozial ausgewogen und grundgesetzkonform sein. Durch das Festhalten an der Beitragsbemessungsgrenze verstößt der Gesetzgeber gegen Art. 3 Abs. 1 GG und begünstigt allein die Top-Verdiener. Art. 3 Abs. 1 besagt, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, und verpflichtet den Staat und die Verwaltung zur Gleichbehandlung eben aller BürgerInnen!
Für 2026 wurde die Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung auf ein Jahreseinkommen von 101.400 Euro begrenzt. Nur bis zu diesem Einkommen müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber den vollen Beitragssatz von insgesamt 18,6 Prozent zahlen und zukünftig noch 2 Prozent mehr!! Jedes Einkommen darüber bleibt beitragsfrei. Allein im Jahr 2021 gingen dem Rentensystem, bei rund 34.500 Einkommensmillionären in der BRD mit mindestens 1 Million Euro Jahreseinkommen, dadurch rund 5,7 Milliarden Euro verloren. Bei durchschnittlich 5 Millionen Euro Einkommen summiert sich der Verlust schon auf rund 31,4 Euro Milliarden im Jahr!
In dieser Gruppe sind alle Topmanager der Industrie, die Vorstände der großen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, die vielen Professoren der unzähligen Institute, Kommissionen, Vereinigungen etc. und natürlich alle Profisportler, insbesondere die Spieler der Fußballbundesliga!
Würde man diese Einkommen solidarisch an dem Sozialsystem beteiligen wie über 80 Prozent der Arbeiter und Angestellten – 18,6 Prozent Beitrag in die Rentenversicherung –, würde sich der größte Teil der Rentenreform in der vorliegenden Form erübrigen. Dieter Hennig, Heitersheim
Patriarchale Rhetorik
„Trans Frau aus Frauenbereich im Freibad abgeführt“ taz vom 30. 6. 26
Ich lese euch gern, da ihr die linke unter den Tageszeitungen seid. Der Artikel wird mit dem zitierten Hinweis geschlossen, dass sich Frauen ja freiwillig für die Frauenbereiche (hier FKK) entscheiden können. Wie üblich in der progressiven queeren Haltung wird damit das persönliche Geschlechtsempfinden einer Trans Frau (Gender) über das objektive Frau sein (Sex) gestellt und somit die gesellschaftliche Verantwortung über das Schutz -und Sicherheitsbedürfnis von biologischen Frauen (Sex) subjektiviert, also abgegeben. Wo ist die kritische Auseinandersetzung? Frauen müssen im Patriarchat permanent die männlichen Strukturen und Definitionen über sich ergehen lassen. Wenn der Schutzraum geöffnet wird für Männer, die sich selbst definieren, statt dass neue Bereiche geschaffen werden für queeres Leben in der Öffentlichkeit, geht jede Entwicklung auf Kosten von Frauen (Sex).
Frauen und Trans Menschen entscheiden sich nicht, sie werden geboren. Frauen (Sex) damit zu erpressen, dass sie, wenn sie um ihre Räume kämpfen, andere Gefühle verletzen oder sogar marginalisierte Gruppen diskriminieren, ist patriarchale Rhetorik im linken, queeren Gewand.
Sarah Weller, Stuttgart
Köder funktioniert
„Wagenknecht will endlich mal wieder mit Weidel reden“ taz vom 30. 6. 26
„Es geht um Aufmerksamkeit“ schreibt Rainer Rutz – und die taz beweist, dass der schlaue Köder des BSW funktioniert! Auf Seite 1 bringt sie den Hauptkommentar dazu und auf Seite 2 legt sie ihren Leser*innen nahe, sich mehr damit zu beschäftigen. Tagesschau schluckt den Köder ebenso, weitere Medien werden vermutlich folgen. Und damit ist wiederum diese hasserfüllte, intelligente Parteiführung und Hinterfrau sooo wichtig, wie sie nicht sein sollte. Eine gefährliche Partei, die nicht in Parlamenten vertreten ist, aber durch den Journalismus Chancen bekommt.
Ich ärgere mich über diesen Journalismus, den auch die taz damit zeigt. Er trägt dazu bei, dass die Bedeutung von BSW steigt. Barbara Hartz-Bentrup, Ottersberg
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