wortwechsel: Designed to kill! ICE-Zeit in den USA
Jagen. Lügen. Leugnen. Töten. Eine Schlägermiliz, angeheuert von einer Regierung von Möchtegern-Machiavellis: United States Immigration and Customs Enforcement (ICE)
„Souverän ist, wer über Anonymität entscheidet. Trumps ICE-Truppen vermummen sich mit Schlauchschals. Ihr Auftreten als anonymer Block vermittelt die autoritäre Botschaft: Wir sind unantastbar“, taz vom 1. 2. 26
Die Kälte der Verwaltung
Das Eis kam nicht plötzlich. Es empfahl sich mit eiserner Faust. Zuerst froren nur die Ränder: Aktenvorgänge, Zuständigkeiten, Prüfvermerke. Dann erstarrten Stimmen. Schließlich Gedanken. Wer noch Wärme verspürte, galt als verdächtig. Man sprach von emotionaler Unzuverlässigkeit, später von emotionaler Illegalität. Beides ließ sich verwaltungstechnisch gut über die Schreibtische schieben. Das Eis bewegte sich. Man nannte es ICE. ICE trat stets mit der Begründung auf, Ordnung schaffen zu müssen. Ordnung jedoch, so lehrte die neue Verwaltungs-Glaziologie, entsteht am zuverlässigsten durch Frost. Wo alles hart ist, kann nichts aus der Reihe tanzen. So zogen die ICE-Einheiten durchs Land: geschniegelt, uniformiert, emotionsreduziert.
Ihre Gesichter waren verborgen, nicht aus Angst, sondern aus Erkenntnis: Ein Gesicht impliziert Verantwortung. ICE operierte gesichtslos – also effizient. Sie waren keine Polizisten. Polizei unterliegt Gesetzen. Sie waren keine Soldaten. Militär unterliegt zumindest Regeln. ICE unterlag ausschließlich sich selbst.
Empathie betrachteten sie als Altlast, Zweifel als Systemfehler. Sie sagten Sätze wie: „Ich setze nur um“ oder „Das ist nicht persönlich“ mit der inneren Ruhe vollständig delegierter Verantwortung. ICE–Menschen waren überzeugt, sie stünden nicht über dem Gesetz – sie waren das Gesetz, in bewaffneter Form. Migration wurde als physikalische Störung verächtlich gemacht.Die Lager – offiziell temporäre Kühlzonen – galten als Meisterwerke moderner Internierungskunst. Niemand wusste genau, wer dort war, wie lange oder warum. Doch gerade diese Unklarheit wurde als Effizienzgewinn gefeiert.
Janus Zeitstein
Die Toten
„Trumps USA als Vorbild: AfD fordert ICE auch für Deutschland“, taz vom 26. 1. 26
Hier sind, zur Erinnerung für uns alle, die Tötungen/Morde durch ICE, die schon bekannt wurden:Renée Good, 37 Jahr, Mutter & Hausfrau, 7. Januar 2026. Alex Pretti, 37 Jahre, Krankenpfleger, 24. Januar 2026.
Keith Porter, 43 Jahre, am 31. 12.25. Angehörige berichten, Porter jr. habe lediglich Silvester gefeiert, in die Luft geschossen und niemanden verletzen wollen. Am 11. Dezember 2025 erschoss ein Beamter der Border Patrol den 31 Jahre alten Mexikaner Isaias Sanchez Barboza nahe der mexikanischen Grenze. Ein Beamter habe versucht, den 31-Jährigen festzunehmen, wogegen dieser sich gewehrt habe. Daraufhin habe der Beamte ihn erschossen.
taz forum
Von ICE ermordet wurden auch Keith Porter, Herber Sanchaz Dominguez, Victor Manuel Diaz, Parady La, Luis Beltran Yanez-Cruz, Luis Gustavo Nunez Caceres, Geraldo Lunas Campos. taz forum
Danke, danke, danke! Dass sich in den USA erst so richtig Widerstand regt, seitdem auch weiße „US-Bürger“ ermordet wurden, sagt viel über den Zustand von Herz und Verstand dieses Volkes. taz forum
Und in Deutschland?
Bei uns schien sich die Union auch erst dann richtig getroffen zu fühlen, nachdem ein AfD-Anhänger eines ihrer eigenen führenden Mitglieder erschossen hatte. taz forum
Wann zeigt diese Demokratie endlich ihre Klauen und verbietet diese Faschisten? Aber wie damals schon bei dem Ermächtigungsgesetz versagen auch heute diese sogenannten bürgerlichen und konservativen Parteien. Sie tragen zur demokratischen Erosion bei. Im Grunde sind sie, die wahren Totengräber dieser Demokratie, weil sie indirekt die Massen vorbereiten, auf das, was kommt. taz forum
Ich lasse die letzten Monate mal Revue passieren: In den Straßen der USA bringt eine maskierte Bande Gesetzloser unter Bruch der Gesetze und der Verfassung der USA mit Billigung und im Auftrag der aktuellen Regierung ihre Bürger um, verhaftet ihre Bürger.
Bürger verschwinden in Lagern, es wird versucht, die Parlamente auszuschalten, indem der Präsident weitgehend mit Anordnungen regiert. Es wurden seit Amtsantritt von Trump 7 Länder angegriffen und in einem weiteren fand eine Invasion statt.
Es wurden bisher mehr als 5.000 Bücher, deren Inhalte dem Regime nicht gefallen, aus Büchereien verbannt, Inhalte von Regierungsseiten, die dem Regime nicht gefallen, werden gelöscht, missliebige Personen und Organisationen verklagt, eingeschüchtert oder aufgekauft und gleichgeschaltet … Aber hey, das hat gaaaaar nichts mit Faschismus zu tun!
taz forum
Die Demokraten haben den Ausbau von ICE mitgetragen und das werden sie weiterhin tun. Trump und Co rudern (sprachlich) zurück. Sie werden ein paar Häscher opfern, dann einigt man sich auf mehr „Safety-Trainings“ und die Jagd geht weiter. taz forum
Im Jahr 2024 wurden in den USA insgesamt rund 1.170 Menschen durch Polizisten erschossen. Damit stieg ihre Zahl das achte Jahr in Folge auf einen neuen Höchststand. taz forum
Hört das wieder auf?
„Grenzen der Grausamkeit. Dass Donald Trumps ICE-Truppe noch einen US-Bürger getötet hat, macht selbst Republikaner unruhig. Wie geht es jetzt weiter?“, taz vom 30. 1. 26
Ich finde es schlimm, wie abgemildert die hiesigen Medien die Vorgehensweise von ICE darstellen. Zugleich werden die Ziele der Widerständigen nicht vollständig wiedergegeben: Ein Ziel ist: „Abolish ICE!“ Also: „Ice abschaffen!“ Das findet sich nicht in der „tagesschau“. taz forum
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