wie geht’s? – muss! #6: „Klar, können Sie online machen“
Digital sei besser, heißt es. Und in vielen Bereichen trifft das auch zu. Eine Studie der Initiative „Digital für alle“ zeigt allerdings, dass dem Thema Digitalisierung in Deutschland noch immer eine gewisse Ambivalenz anhaftet. Außer Frage allerdings steht, dass die Mehrheit Digitalisierung als Chance begreift. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass digitale Technologien ihr Leben leichter machen. Gleichzeitig äußerte fast die Hälfte die Befürchtung, nicht mit der technischen Entwicklung Schritt halten zu können. Mehr als ein Drittel fühlte sich von digitalen Technologien gar „häufig überfordert“.
Ganz ehrlich, ich fühle alle dieser Antworten! Einfach, weil es immer wieder so kleine Momente in meinem Alltag gibt, die für Irritationen sorgen. Neulich wollte ich einen Tisch im Restaurant reservieren. Ganz analog vor Ort. Reinsteppen, freundlich nachfragen, beobachten, wie das Personal Uhrzeit und Anzahl der Gäste notiert, und wieder gehen. Ein Vorgang von einer Minute. Von wegen! Erst die Abfuhr des Personals: „Klar, können Sie online machen.“ Auf meinen verdutzen Blick folgt die ultimative Demütigung. Sichtlich genervt fragt mich mein Gegenüber mündlich sämtliche für die Onlinereservierung nötigen Daten ab und tippt sie ins Buchungssystem ein. Als ich den peinlichen Prozess für abgeschlossen halte, vorsichtig eine Bewegung Richtung Ausgang andeute, die Killerfrage: „Haben Sie die Bestätigungsmail bekommen?“
Der Internetempfang im Restaurant ist nur so mittel. Bis ich in meiner Zweitmailadresse eingeloggt, den Spam-Ordner gecheckt habe und mit einem kleinlauten „Ja“ antworten kann, sind gefühlt fünf endlose Minuten des Schweigens vergangen. Unterbrochen nur von der Nachfrage, ob ich die Bestätigungsmail denn nun erhalten habe. Nächstes Mal reserviere ich dann wohl doch besser wieder online.
Joel Schmidt
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