welthandelskonferenz: Nord-Süd-Schieflagen
Eine „Entwicklungsrunde“ sollte auf der Konferenz der Welthandelskonferenz (WTO) in Doha eingeläutet werden, von der „in erster Linie“ die Länder des Südens profitieren. Von solchen Ankündigungen ist wenig übrig geblieben. Nur mit der Drohung, ansonsten die ganze Konferenz schlicht und einfach platzen zu lassen, konnten die Staaten des Südens wenigstens eine einigermaßen verlässliche Absichtserklärung durchsetzen, wonach öffentliche Gesundheitssysteme geschützt werden. Außerdem soll der Zugang zu erschwinglichen Medikamenten in Notfällen künftig Vorrang vor den Patentschutzinteressen der großen Pharmakonzerne haben. Dass die Bush-Administration angesichts der Anthrax-Bedrohung für die eigene Bevölkerung diesen Vorrang einfach kurzerhand verfügte und dem Hersteller offen mit Patentbruch drohte, hat die Sensibilität der US-Politik für die Millionen von Aids und anderen Epidemien bedrohten Menschen in Afrika und Asien offensichtlich nicht erhöht.
Kommentar von ANDREAS ZUMACH
Unverändert egoistisch zeigten sich Europäische Union und USA im Agrarbereich: Mit Subventionen dürfen sie weiter die eigene Landwirtschaft alimentieren und mit Exportkrediten für ihre heimischen Produzenten diejenige vieler Länder des Südens ruinieren. Dabei wären Nahrungsmittelsicherheit und die Absicherung der Kleinbauern in vielen Ländern der Dritten Welt ein bedeutsamer Beitrag im Kampf gegen Armut, Umweltzerstörung und Landflucht.
Mit Blick auf die WTO-interne Transparenz und Demokratie lief in Doha zwar zunächst vieles besser als vor zwei Jahren in Seattle, wo die vier Wirtschaftsmächte USA, EU, Japan und Kanada fast nur untereinander kungelten. Zuletzt kam es allerdings auch in Doha wieder zu undemokratischen Hinterzimmerverhandlungen; vor allem afrikanische Staaten wurden immer wieder regelrecht zur Zustimmung genötigt.
Schließlich erfüllten die Industriestaaten auch in Doha nicht den inzwischen fünf Jahre alten verbindlichen Beschluss der Ministerkonferenz von Singapur, wonach den armen Ländern die Umsetzung der Beschlüsse erleichtert wird, die bei der Handelsrunde von 1994 vereinbart wurden, bevor eine neue Welthandelsrunde eingeläutet wird. Angesichts dieser anhaltenden Nord-Süd-Schieflage ist es verständlich, wenn auch sehr bedauerlich, dass die armen Länder in Doha eine ernsthafte Befassung der WTO mit Umwelt- und Sozialauflagen erneut verhindert haben.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen