was für eine woche: „Wir sollten uns Artikel 20 Absatz 4 GG auf die Stirn tätowieren“
Jens Uthoff
Täglich wurden im Jahr 2025 mindesten zwölf Menschen Opfer rechter, rassistischer oder antisemitischer Gewalt, 4.298 Menschen insgesamt. Dies sind die neuen Zahlen der Opferberatungsstelle VBRG, es wurden nur 13 von 16 Bundesländern erfasst.
Foto: Erik Irmer
Jens Uthoff
ist Redakteur des Gesellschaft-Teams der wochentaz.
Die Zahl der Gewalttaten ist knapp doppelt so hoch wie vor zehn Jahren. Die Statistik kommt just zu der Zeit, in der über den Song „Keine Angst“ von Danger Dan breit diskutiert wird. Diese Woche hatte er Bühnenpremiere, Tausende verfolgten sie im Stream (wenn auch nicht im ZDF). „Keine Angst“ fragt nach legitimen Formen des Widerstands. Wann ist der Punkt erreicht, an dem das staatliche Gewaltmonopol nicht mehr funktioniert? Ab 4.298 Opfern?
Auf Länderebene könnte die Regierungsgewalt bald von Rechtsextremisten ausgehen, darauf sollten wir vorbereitet sein. Keine Angst – was dann laut Verfassung sogar ausdrücklich erwünscht ist, ist Gegenwehr: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese [demokratische] Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Artikel 20 Absatz 4 GG sollten wir uns auf die Stirn tätowieren.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen