taz lab 2026 : Streitlust läuft bei uns
„Jetzt mal Tacheles – liebevoll & rabiat“: Das taz lab 2026 verzeichnete neue Besucherrekorde. Es wurde gesprochen, gezankt – und verabschiedet.
aus der taz | Tacheles reden, aber immer liebevoll & rabiat: Auf dem diesjährigen taz lab gab es angesichts schlechter Zeiten mit Kriegen, Krisen und Klimawandel reichlich Gesprächsbedarf.
In über 100 Diskussionen gaben sich die Diskutierenden selbstkritisch, fragten aber auch nach progressiven Alternativen, Solidarität und gesellschaftlicher Verantwortung.
Wie weiter machen, wenn bundesdeutsche Politik in einem Rollback sozialpolitische und ökologische Errungenschaften zurückdreht? Wenn in Washington, Moskau und andernorts Autokraten die Welt mit Kriegsspielen und Drohungen in Atem halten?
Wer hält die Demokratie zusammen, wenn der Zeitgeist gerade kräftig woanders hin weht? Was ist von der Linken noch zu erwarten – und was hat sie falsch gemacht?
Die vielen Gäste auf den Podien gaben auf dem taz lab Antworten und Gedankenanstöße dazu. Klein beigeben gilt schließlich nicht.
„Wir sind keine Zwei-Lager-Gesellschaft“
Auf 15 Panel-, Workshop- und Podcast-Bühnen begrüßten die Moderator*innen der taz live und im Stream eine Vielzahl prominenter Gäste.
Eva Illouz, Luisa Neubauer, Ricarda Lang, Aladin el-Mafaalani, Steffen Mau, Anne Rabe, Stefan Rahmstorf, Gilda Sahebi, Ronen Steinke, Joseph Vogl und viele weitere waren eingeladen, um digital und vor Ort zu diskutieren.
„Es gibt einen konservativen Bias in der öffentlichen Wahrnehmung“, sagte der Soziologe Steffen Mau im Gespräch mit Nils C. Kumkar über gesellschaftliche Polarisierung. „Dass wir eine Zwei-Lager-Gesellschaft sind, stimmt zumindest auf der empirischen Basis nicht.“
Nicholas Potter, Journalist und taz-Autor fragte im Gespräch mit Klaus Lederer: „Wir haben eine Brandmauer nach rechts. Aber was tun wir eigentlich mit Feinden der Demokratie von Links?“
„Klar gibt's in meiner Partei auch irgendwo Leute, die Sozialkahlschlag gut finden“, räumte Bildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU) ein. „Aber dass es einen Sozialstaat gibt, das ist doch keine Frage.“
Jan van Aken, bis kürzlich Bundesvorsitzender der Linken: „Die Lösung für fast alles ist die Vermögenssteuer. Es ist genug Geld da, es ist nur falsch verteilt.“
Rekord der Anzahl der Besucher*innen
Bei kühlem, aber sonnigem Frühlingswetter versammelten sich die Besucher*innen beim großen Kiezfest mit zahlreichen Ständen, Workshops und einer Spielstraße im Besselpark neben dem taz-Gebäude in der Berliner Friedrichstraße 21, zum gemeinschaftlichem Public Viewing und folgten den Live-Diskussionen auf den Bühnen vor Ort.
Auch in diesem Jahr konnte das taz lab einen Besucher*innen-Rekord aufstellen. Denn neben den verkauften Tickets, sowohl für alle digital als auch vor Ort teilnehmenden Menschen, wurde das Gratisangebot vor Ort stark genutzt.
Obendrauf ließ sich die Rote Bühne auch in diesem Jahr wieder über taz.de während des Tages live verfolgen, was sich ebenfalls hoher Beliebtheit erfreute. Summa summarum sprechen wir also von beinahe 5000 erreichten Menschen, wenn nicht sogar noch mehr. Wow!
Nicht zuletzt durch die beiden pinken U25-Bühnen der taz Genossenschaft, mit denen speziell jüngeres Publikum erreicht werden sollte, wurde das Durchschnittsalter nochmal deutlich gesenkt.
„Wir haben Tacheles geredet - beim 17. taz lab, und das war exakt das Richtige für eine linke Politiklandschaft, die gewisse Ratlosigkeiten ob des Aufstiegs rechtspopulistischer Bewegungen zu reflektieren hatte“, sagte Kurator Jan Feddersen.
„Das taz lab hat in diesem Jahr, sehr treu ihrem zweiten Motto ‚liebevoll & rabiat‘, beherzt und aus der Perspektive der taz-spezifischen Meinungsfreude, zu erörtern gewusst, wie es um die Welt der Polykrisen steht: aufrecht, engagiert und fern antipolitischer Innerlichkeit. Wir machen weiter – was denn sonst!“
Danke, Jan Feddersen!
Jan Feddersen, langjähriger taz-Autor, Redakteur für besondere Aufgaben und Kurator aller taz labs wird im Herbst dieses Jahres offiziell in den Ruhestand gehen.
Er bleibt der taz aber als Autor und Moderator erhalten. Feddersen wurde zum Abschluss des taz labs mit einer rauschenden Abschiedsparty geehrt:
Danke, Jan, für 17 taz labs hieß es in mehreren Laudationen.
„Jan Feddersens nie erlahmende Inspiration, seine unnachgiebige Provokations- und Streitlust, seine betörende Wortgewalt und sein rundum liberaler Esprit haben den taz-Kosmos um mehrere Dimensionen erweitert”, sagte taz-Chefredakteurin Ulrike Winkelmann in ihrer Laudatio.
„Jan Feddersen gleicht als taz lab-Kurator einem grandiosen Jazzmusiker“, sagte Peter Unfried, taz-Chefreporter.
„Mit einer ihn definierenden Grundeleganz und Leichtigkeit ermöglicht er großartige Improvisationen und überraschende Dialoge und hält dabei doch immer die Linie.“
Ein Überblick über die vielen Veranstaltungen des diesjährigen taz labs finden Sie im taz lab-Ticker.
Die Mediathek des taz lab ist für alle Ticketinhaber ein Jahr verfügbar. Tickets können nach wie vor erworben werden unter tazlab.de/tickets.
🐾 Das nächste taz lab findet voraussichtlich am 24. April 2027 statt.