taz Talk über China : „China-Schock 2.0“: Wie kann Europa reagieren?
Viele Industriebereiche sind bereits in China angesiedelt und andere schauen auch gen Osten, doch was haben Normierungen und Forschung damit zu tun? Ein taz Talk über China und Industrialisierung.
Während China für viele europäische Unternehmen ein zentraler Absatzmarkt, Produktionsstandort und Innovationspartner bleibt, wächst zugleich die Sorge über wirtschaftliche Abhängigkeiten und den technologischen Vorsprung chinesischer Konzerne in strategischen Zukunftsbranchen.
Wann: Mi. 07.07.2026, 19 Uhr
Einlass: 18.30 Uhr
Wo: taz Kantine und im Livestream
Friedrichstr. 21
10969 Berlin
Eintritt frei. Platzreservierung erforderlich.
Die Teilnahme ist nur mit einem im Voraus gebuchten Ticket möglich. Wir bitten Sie daher um eine Anmeldung über dieses Ticket-Portal. Die Plätze sind begrenzt, der Eintritt ist kostenlos. Der Zugang zur Veranstaltung ist barrierefrei.
Immer häufiger ist deshalb von einem „China-Schock 2.0“ die Rede. In Deutschland trifft diese Entwicklung auf einen besonders empfindlichen Nerv, da Branchen wie die Automobilindustrie, Maschinenbau und Chemie stark unter Druck geraten. Bei anderen Industrien – etwa Solar- und Windkraft oder Künstliche Intelligenz und Robotik – scheinen europäische Hersteller ohnehin abgehängt zu sein.
Oft übersehene Schauplätze dieser Konkurrenz – und zugleich maßgebliche Wegbereiter für Chinas Erfolg – sind Wissenschaft und technische Standardsetzung. Vom DINA4-Papier über 5G-Netze bis zu digitalen Infrastrukturen entscheiden Standards darüber, welche Technologien sich weltweit durchsetzen.
Wer diese Normen definiert, prägt technologische Entwicklungen, globale Märkte und politische Machtverhältnisse. Transnational agierende Unternehmen, aber auch Staaten befinden sich deshalb im Wettbewerb von Standardsetzung. Chinas wachsender Einfluss in internationalen Normungsorganisationen trifft dabei auf zunehmenden Widerstand von westlichen Akteuren.
Auch Wissenschaft und Forschung geraten stärker in den Fokus. Während chinesische Forscher*innen und Universitäten bei vielen Technologien führend sind, werden Kooperationen mit ihnen kritisch beäugt. Welche Spielräume lassen wirtschafts- und sicherheitspolitische Überlegungen für wissenschaftliche Kooperationen mit China?
Der taz Talk bringt Expert*innen aus Wissenschaft und Journalismus zusammen, um die Ursachen und Folgen des „China-Schock 2.0“ zu analysieren – und zu diskutieren, wie eine europäische Antwort aussehen kann.
Welche Rolle spielen wissenschafts-, handels- und industriepolitische Initiativen wie der Industrial Accelerator Act? Gelingt es der EU, eine kohärente Strategie zwischen den USA und China entwickeln – oder wird sie zunehmend in geopolitische Konflikte hineingezogen, während ihre Mitgliedsstaaten unterschiedliche Interessen verfolgen?
Und: Wie kann eine kritische, sozial-ökologisch orientierte Zivilgesellschaft sich in dieser Debatte positionieren, ohne dem Mantra von internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu verfallen?
Im Gespräch:
🐾 Dr. Anna L. Ahlers leitet die Lise-Meitner-Forschungsgruppe „China im globalen Wissenschaftssystem“ am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG), die sie 2020 gegründet hat. Ihre aktuelle Forschung konzentriert sich auf die Wissenschaftspolitik in der Volksrepublik China und die Rolle von Wissenschaft in Chinas Außenbeziehungen, sowie auf das Zusammenspiel von Wissenschaft und local governance in China – ein Forschungsfeld, das an ihre früheren intensiven Studien zum politischen System der Volksrepublik anknüpft.
🐾 Dr. Daniel Fuchs ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Mitglied im Berlin Contemporary China Network und forscht zu Arbeitsbeziehungen, Industrie- und Technologiepolitik sowie zu Chinas Rolle in der internationalen Normung. Zuletzt veröffentlichte er die Sonderausgabe „China and the Standardization of Digital Technologies in der Fachzeitschrift China Law and Society Review (2025) und war Mitherausgeber der Bücher „Die Zukunft mit China denken“ (Mandelbaum, 2023), sowie „Eine gerechte Weltwirtschaftsordnung? Die New International Economic Order und die Zukunft der Süd-Nord-Beziehungen“ (Transcript, 2024).
🐾 Felix Lee ist Redakteur im SZ-Dossier Geoökonomie, einem täglichen Newsbriefing unter dem Dach der Süddeutschen Zeitung. Fast 20 Jahre war er bei der taz, davon neun Jahre China-Korrespondent. In seinem biographisch erzählten Buch „China, mein Vater und ich“, beschreibt er Chinas Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft und welche bedeutende Rolle die Deutschen dabei eingenommen haben, erschienen 2023 bei Ch.Links.
Moderation:
🐾 Merle Groneweg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des China Competence Training Center (CCTC) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Außerdem koordiniert sie das Berlin Contemporary China Network, ein Netzwerk von Berliner Chinawissenschaftler*innen. Als freie Autorin schreibt sie regelmäßig über Chinas Klima- und Wirtschaftspolitik, unter anderem für klimareporter.de und Surplus.
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