taz🐾lage: Nach den Küken kieken
Seit ein paar Tagen sitzt eine brütende Taube vor der Glaswand im zweiten Stock des taz-Hauses, da, wo die Berlin-Redaktion arbeitet, und sorgt für Aufregung. Das hat eine Taube so schon mal vor ein paar Jahren so gemacht. Die Taube schaut dich direkt an, wenn man ihr – durchs dicke Glas getrennt – doch recht nahe kommt. Auf dem schmalen Balkon, ein stabiler Gitterrost, der ums ganze Haus läuft, traut sich jetzt niemand mehr. Kolleg:innen anderer Ressorts eilen herbei und machen Fotos. Jemand hat eine Untertasse mit Wasser rausgestellt.
Der dem Vogel am nächsten sitzende Redakteur meint am Mittwoch, es sind wohl drei bis vier Eier, die das Tier ausbrütet. Am Donnerstagnachmitag aber machen Gerüchte die Runde, es gäbe schon ein paar Küken. Sehen kann man sie aber nicht.
Vielleicht eine Verwechslung? Bei der kollektiven Taubenschau stellt sich heraus, dass es im fünften Stock eine weitere Taube gibt, die schon fertig hat und fünf Küken das Leben schenkte. Die Recherche ergab: nur zwei Küken. Und beide tot. Am Montag war eine Krähe da und hat sie sich geholt, erzählen die Kolleg:innen.
Leider, so weiß es Wikipedia, liegt die Jungensterblichkeit bei Stadttauben bei bis zu 90 Prozent im ersten Lebensjahr. Und auch die Taube, die vor Jahren vor den Fenstern der Berlin-Redaktion ihr Nest baute, hatte Pech. Eine Krähe schnappte sich den Nachwuchs. Das war traurig (egal, ob man Tauben mag oder hasst). Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Stadttaube beträgt nur zwei bis drei Jahre. Gönnen wir der Taube doch das Glück des Brütens. (heg)
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