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taz🐾lageAlle jung, alle wie aus dem gleichen Holz geschnitzt

In der taz wird einem nichts geschenkt. Deshalb gibt es täglich irgendeine Art von Kritik: Blattkritik, Seite-1-Kritik, e-Paper-Kritik, Online-Kritik und so weiter. Neulich wurde der „Bundestalk“, der Flaggschiff-­Pod­cast der taz, der einem die politische Weltlage aus deutscher Perspektive erklärt, von mir höchstpersönlich kritisiert. Gleich fragte ich mich, wieso ich „Flaggschiff“ gesagt habe, ein Kompositum aus dem Reich des Militärs. Sickert diese Kriegssache, auf die man sich einschwören lassen soll, jetzt doch in mein Selbstverständnis?

Eine Antwort darauf habe ich nicht, zumal ich mich ja nicht selbst kritisieren wollte, sondern den Pod­cast. Und da ist mir tatsächlich etwas aufgefallen, das bemerkenswert ist: Die weichgezeichnete Fotomontage, mit der die von Woche zu Woche wechselnden „diskussionsfreudigen“ und „streitbaren“ Teilnehmenden am „Bundestalk“ präsentiert werden: Alle sehen jung aus, auch die älteren Kolleg*innen. Und durch die verfremdete Ästhetik sind alle wie aus dem gleichen Holz geschnitzt.

Das gefällt mir nicht. Denn es wiederholt zum einen das Jugendlichkeitsdiktat in unserer Gesellschaft, dem vor allem Frauen unterliegen. (Der dümmste Satz, den jemand über eine Frau schreiben kann, lautet aus meiner Sicht: „Sie sieht jünger aus.“)

Wenn aber, wie auf der Fotomontage alle jung sind, vor allem die Frauen, negiert das die Lebenserfahrung der Beteiligten. Zudem sendet es dieses komische Signal, dass in der taz alle irgendwie gleich sind. Das kann kein Mensch ernsthaft behaupten. Ich denke der „Bundestalk“ ist eine wichtige Sache, ich will mir die Welt aber nicht von Schablonen, sondern von Persönlichkeiten erklären lassen. Deshalb plädierte ich für echte Bilder. Waltraud Schwab

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