taz🐾lage: Mauergespräche
Unterschiedlicher könnten die beiden Männer kaum sein: Ilko-Sascha Kowalczuk stammt aus einer systemtreuen Familie in Ostberlin, ist heute Historiker, überzeugter Antikommunist und scheut keine Gelegenheit, sich über ostdeutsche Opfer-Jammerei und die Linkspartei aufzuregen. Der andere, Bodo Ramelow, kam 1990 als Gewerkschaftssekretär aus dem Westen nach Thüringen, wurde der erste Ministerpräsident der Linken in Thüringen und dort Liebling der Massen. Im Februar zog er als „Silberlocke“ für seine Partei mit Direktmandat wieder in den Bundestag ein.
In ihrem gemeinsamen Buch „Die neue Mauer“, einem Gesprächsband über den Osten und den Zustand der Demokratie in ganz Deutschland, stellen sie die These auf: Nicht nur ist die alte Berliner Mauer nicht wirklich aus den Köpfen verschwunden, es ist sogar eine neue Mauer entstanden – zwischen denen, die die Demokratie verteidigen, und denen, die sie gefährden. Ramelow und Kowalczuk beschreiben, was nach 1990 im Osten schiefgelaufen ist.
Es geht um die Stasi und die Treuhand, aber auch um überbordenden Nationalismus zur Fußball-WM und um Kommunen, die die Aufnahme von ukrainischen Kriegsflüchtlingen überfordert hat. Und es geht um die Frage, wie sich die Demokratie verteidigen ließe, gegen Autokraten, Faschisten und Tech-Milliardäre. Was die beiden Autoren eint: Beide reden gern und viel und streiten noch viel lieber.
Die Diskussion, moderiert von taz-Redakteurin Anne Fromm, beginnt um 19 Uhr in der taz-Kantine – oder im Livestream hier. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten. (taz)
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