podcast: Tod und Recherche
„Der Koch von Gaza“ rekonstruiert, wie der Betreiber einer Suppenküche getötet wurde
Journalistisch über den Gazastreifen zu berichten, ist in etwa so schwierig wie über den Garten Eden. Es gibt spätestens seit der israelischen Offensive nach dem Hamas-Massaker keine Möglichkeit, im Gazastreifen unabhängig journalistisch zu arbeiten.
Bei allem politischen Interesse, schwindet deswegen auch immer wieder das Vertrauen in Berichte, was viele zum Weghören verleitet. Wie man es schafft, Leute doch wieder zum Hinhören zu bewegen, dafür ist der Podcast „Der Koch von Gaza“ beziehungsweise Yassin Musharbashs Recherche über Mahmud Almadhoun ein Paradebeispiel.
Musharbash ist stellvertretender Leiter des Investigativressorts der Zeit. Er wollte Gerüchten nachgehen, dass in Gaza Kinder an den Folgen von Mangelernährung sterben, als er die Facebookseite der Gaza Soup Kitchen entdeckte, dessen Betreiber Mahmud Almadhoun war. Musharbash kontaktierte ihn und ließ sich erzählen, wie die Suppenküche funktionierte. Almadhoun versorgte hungernde Menschen. Und er versorgte den Journalisten mit Informationen über die Lage im Gazastreifen. Bis der Koch im November 2024 von einem Geschoss getroffen wurde und starb.
Musharbash wollte nun wissen: War der Koch ein Terrorist? Oder war Almadhoun der, für den der Journalist ihn gerne halten würde: ein ganz normaler Zivilist? Wurde er gezielt ermordet? War es ein Unfall?
In den Gazastreifen kann er nicht reisen, deswegen rekonstruiert Musharbash nun in mühsamen Kleinschritten aus der Ferne, wer Almadhoun war und warum er starb. Unter anderem spricht Almadhouns Bruder mit ihm und auch ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem „Target-Room“ der israelischen Armee.
Die fünf Folgen des Podcasts hören sich weg wie ein Krimihörspiel. Man merkt, dass Musharbash am großen John Le Carré geschult ist. „Der Koch von Gaza“ ist ein Lehrstück darüber, wie quasi aussichtslose Recherchen ablaufen, und darüber, wie man so was ultraspannend erzählt. Doris Akrap
„Der Koch von Gaza“,5 Folgen
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