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meinungsstark

Schiefes Politikerbild

„Benjamin, du lieber Anarchist“, taz vom 7. 8. 26

Ihr Artikel macht mich nachdenklich. Natürlich ist es vollkommener Blödsinn, Kinderserien als links(extrem) zu bezeichnen. Trotzdem sind sie, wegen ihres schiefen Politikerbildes, kritikwürdig. In diesen Serien gibt es keine Parlamente, denen Bürgermeister und andere Politiker Rechenschaft schuldig sind. Ein einzelner Politiker bestimmt alleine. Er handelt stets im eigenen Interesse, ohne ethische Orientierung.

Nun werden sie einwenden, dass solche Kinderserien mit Übertreibungen arbeiten und humorvoll geschrieben werden. Dieser richtige Hinweis übersieht jedoch, dass Kinder nicht die nötige Reflexionsfähigkeit haben, um diese schiefen Bilder richtig einzuordnen. So setzen sich bereits in Kindern Vorurteile gegenüber Politikern fest. Ich selbst habe übrigens „Fix und Foxi“ und „Micky Mouse“ gelesen, sowie „Bibi Blocksberg“ gehört. In allen drei Serien hatten Politiker dieses Negativbild – ausnahmslos! Aus Transparenzgründen weise ich noch darauf hin, dass ich selbst Parteimitglied bin. Ich bin schon seit Jahren der Meinung, dass die Ursache für die Politikverdrossenheit nicht alleine bei uns Politikern gesucht werden kann. Oliver Hajunga, Egelsbach

Antisemitismus salonfähig

„Nahostkrieg: Haben wir verloren?“, taz vom 12. 8. 26

Was die propalästinensische Bewegung sicherlich erreicht hat, ist, dass Antisemitismus wieder salonfähig geworden ist, auch wenn er sich hinter einem vermeintlichen Antizionismus versteckt. Vor allem in der linken Bewegung hat dies dazu geführt, dass eigene antisemitische Tendenzen, Gedanken und Aussagen nicht hinterfragt werden, wie es beispielsweise beim Rassismus/Sexismus zum Glück seit Jahren geschieht. Von daher stimme ich Frau Wiedemann zu. Wir haben verloren. Alle. Und keine Besserung in Sicht. Philipp Geßner, Leipzig

Hierarchie im Dienst der Freiheit

„Bundeswehr-Serie“, taz vom 4. 8. 26

Ach, liebe taz, wo fange ich an? Vielleicht bei den „aggressiven Männern mit geleckten Nazi-Frisuren“. Dass der Fassonschnitt neuerdings als weltanschauliches Schnelltestverfahren taugt, war mir entgangen. Dann die Betten. Sie müssen gemacht werden. Ordentlich sogar. Auch Rasur, Auftreten und Sprache folgen Regeln. Erschütternd. In einer Armee. Manchmal ist eine Falte einfach eine Falte. Aber militärische Ausbildung beginnt nun einmal mit verlässlicher Routine im Kleinen, bevor man Menschen Verantwortung für sehr viel Größeres überträgt, und das unter viel stärkerer Belastung, als kritische Blicke aus den „weiten, eisblauen Augen“ (wenn das mal keine weitere subtile Nazi-Metapher ist) des seitlich Rasierten erdulden zu müssen.

Auch „jawohl“ statt „ja“ und „zwo“ statt „zwei“ wertet die taz als Indiz autoritärer Unterwerfung. Dabei dient standardisierte Sprache vor allem dazu, dass unter Lärm und Stress nicht jeder kreativ aneinander vorbeikommuniziert. Weiter geht es mit „fadem Kantinenessen“ und – festhalten – Waffen. Dass dies moniert wird, überrascht dann doch (etwa so wie Schläuche bei der Feuerwehr). Besonders kühn wird es, wenn der Wunsch junger Menschen nach Disziplin fast nahtlos zu Erich Fromm, Autoritarismus und Faschismus führt. Vielleicht flieht aber nicht jeder, der Disziplin lernen möchte, vor der Freiheit. Vielleicht möchte er schlicht lernen, eine Aufgabe auch dann zu Ende zu bringen, wenn es kalt, nass, anstrengend und gerade nicht instagrammable ist.

Man kann über „Werbemillionen“ (in postkapitalistischen Medien immer verdächtig), Kasernenrealität, Führungskultur und die Inszenierung der Serie trefflich streiten. Aber wer in jedem gemachten Bett Unterwerfung, in jedem „zwo“ Faschismus und in jedem Hindernislauf Erniedrigung erkennt, beschreibt weniger die Bundeswehr als das eigene feuilletonistisch betreute, ideologische Fremdeln mit ihr. Die Bundeswehr ist weder Erziehungsparadies noch autoritäres Gruselkabinett, sondern das schwierige Paradox einer wehrhaften Demokratie: Hierarchie im Dienst der Freiheit. Und vor allem: Notwendig. Christian Gummig, Hamburg

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen