meinungsstark:
Übergriff als Abenteuer?
„Ein Balanceakt auf der Parkbank“, taz vom 7. 6. 26
Mit großem Befremden habe ich die Kolumne von Mira Milborn gelesen. Darin wird beschrieben, wie ein Mann der Autorin in einer Bar völlig unvermittelt unter den Rock an den Innenschenkel fasst. Was im echten Leben zweifellos den Tatbestand der sexuellen Belästigung erfüllt, wird hier als prickelnder Eisbrecher für ein Outdoor-Abenteuer romantisiert. Dass die Ich-Erzählerin in diesem spezifischen Moment entscheidet, den Übergriff zu erwidern, ändert nichts an der fatalen Botschaft, die dieser Text sendet: „Ein Übergriff ist okay, solange sie es am Ende gut findet.“
Gerade von einer Zeitung wie der taz, die sich sonst so vehement und wichtig für feministische Themen, Konsens und gegen sexualisierte Gewalt einsetzt, hätte ich mehr redaktionelles Fingerspitzengefühl erwartet. Einen massiven Grenzübertritt unkommentiert als hippen Berliner Flirt zu verkaufen, verharmlost sexuelle Belästigung und schadet der ansonsten so wichtigen Debatte über Einvernehmlichkeit.
Sarah Hage, Berlin
Übergewinnsteuer
„Gnadenlose soziale Unwucht“, taz vom 7. 6. 26
Es wird höchste Zeit, die Dinge laut und ständig beim Namen zu nennen: Übergewinnsteuer muss kommen, Beitrag aller zur Kranken- und Pflegeversicherung muss kommen, die ständigen blödsinnigen Vorschläge, ausschließlich aus Arbeitseinkommen und Beitragserhöhungen die Löcher zu stopfen, müssen aufhören. Doppelbesteuerung und Doppelverbeitragung von Rentnern müssen ans Licht gezerrt, Rentner müssen gegen Ignoranz verteidigt werden. Dass manche hart arbeitenden Alleinerziehende mehr Steuern zahlen als manche Millionäre gehört an den Pranger.
Die Vernachlässigung der Bildungspolitik und des Grundsatzes, dass gleiche Bildung für alle möglich sein muss, darf in keiner Weise gerechtfertigt werden. Das alles ohne Wenn und Aber und Whatabout und gegenseitiges Aufeinanderzeigen. Ohne Ignorieren und öffentliches Abwerten von Frau Bas, den Wohlfahrts- und Mieterverbänden, ohne Entschuldigungen für das Kuschen von Lars Klingbeil vor der CDU.
Christine_Winterabend auf taz.de
Respektlos gegenüber Tieren
„Cartoon Wahrheitsseite Schnecke“
taz vom 2. 6. 26
Dieser Cartoon zeigt, dass wir in einer Welt leben, die den Respekt vor Lebewesen jeglicher Art verloren hat. Kinder werden in eine Welt hineingeboren, die vorlebt, dass es Lebewesen gibt, die man tottreten, totschlagen und die man „verachten“ kann. Warum? Wer hat diese gesellschaftliche Intoleranz hervorgebracht? Wie hat sie sich entwickelt? Ich bin sprachlos, dass das Gros unserer westlichen Gesellschaft der Meinung ist, Pflanzen und Tiere seien lediglich dazu da, uns zu dienen.
Das Gegenteil ist der Fall. Pflanzen und Tiere haben einen Wert an sich, ja die gesamte Erde muss um ihrer selbst willen geschätzt, geschützt und behandelt werden. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie die Veröffentlichung solcher Cartoons in Zukunft unterlassen würden, damit die taz ein anderes Vorbild darstellt. Ein Vorbild, dessen Werte und moralische Vorstellungen vor Tieren (zum Beispiel Schnecken) nicht halt macht! Sima Rieckhof
Zermatscht und totgetreten – lustig?
„Cartoon Wahrheitsseite Schnecke“, taz vom 2. 6. 26
Vorweg: Ich liebe die taz-Wahrheitseite. Aber: Was ist daran komisch, wenn ein Lebewesen zermatscht und totgetreten wird?! Das erinnert mich an pubertäre Jungs, die Frösche aufblasen, bis sie platzen …das ist auch einfach zu komisch!! … Wie wäre ein Cartoon, bei dem ein Mensch von einer Dampfwalze überrollt wird!? Nebenher: Die Rote Liste stuft fast 40 Prozent der Binnenmollusken als bestandsgefährdet, vom Aussterben bedroht oder verschollen ein.
Rainer Hoch, Hamburg
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