meinungsstark:
Das Tier hatte keine Chance
„Wer den Aal nicht ehrt, ist den Wal nicht wert“,
wochentaz vom 16. – 22. 5. 26
Der Tod des Buckelwals „Timmy“ war kein Naturereignis, sondern das Ergebnis politischen und operativen Versagens. Fast einen Monat lag das Tier auf der Sandbank vor Poel fest, weil das zuständige Ministerium es versäumte, internationale Hilfe – insbesondere aus Norwegen – anzufordern. Dieses Nichthandeln war der entscheidende Fehler. In jedem professionellen Rettungsszenario wäre Norwegen innerhalb weniger Tage eingebunden worden. Stattdessen wurde ein Plan durchgezogen, der trotz Warnungen der beteiligten Tierärzte nicht mehr realistisch war. Timmy wurde ohne vorherige medizinische Stabilisierung freigelassen – an einem Ort, an dem er keine Nahrung finden konnte. Das war keine Rettung, sondern eine Entscheidung ohne fachliche Grundlage. Besonders irritierend ist, dass sich einige Experten nun öffentlich in ihrem „recht behalten“ sonnen, obwohl gerade ihr Gutachten dazu führte, dass Timmy vier Wochen auf der Sandbank liegen musste. Dieses Liegenlassen hat seinen Zustand so verschlechtert, dass er die Freilassung nicht überleben konnte.
Timmy war nicht „zu krank“. Er wurde krank gemacht – durch politisches Zögern, fehlende internationale Kooperation und eine Freilassung, die er nicht überleben konnte. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Aufklärung.
Annette Witzel, Tübingen
Die Linken damals und heute
„Ich möchte es besser machen als mein Vater“,
wochentaz vom 16. – 22. 5. 26
Ich studierte 1966 bis 1971 in Berlin. Wenn Frau Glas ihre Haltung gegenüber der Linken aus der Konfrontation mit der DDR bezogen hat, dann kann sie nur eine sehr einseitige Sicht der Dinge gewonnen haben. Auch damals war nicht alles links, was sich rot gab. Die Linke beziehungsweise die 68er in Berlin haben sich stets sehr kritisch mit der DDR und dem Westableger der SED – der SEW – auseinandergesetzt. Und der Brandanschlag 2026 gegen das Stromnetz in Lichterfelde war alles andere als links. Es war ein Terroranschlag gegen die Bevölkerung unter einer pseudolinken Fahne.
Zugegeben: Feel-good-Filme aus München wie „Zur Sache Schätzchen“ oder „Wilder Reiter GmbH“ unterhielten uns. Aber kulturell und politisch viel wichtiger waren die Filme von Schlöndorff, Fassbinder, Kluge, Fleischmann („Jagdszenen aus Niederbayern“!) und Ähnliches.
Jürgen Fiege, Bremen
Kanzler liegt richtig
„DGB bietet Merz das Buh an“,
taz vom 13. 5. 26
Man kann Merz mit Recht für viele seiner Aussagen kritisieren, aber mit seiner Feststellung auf dem DGB-Kongress, dass die angestrebten Sozialreformen nur einen Bruchteil der in Deutschland gewährten Sozialleistungen betreffen und unser Sozialsystem nicht ansatzweise infrage stellen, liegt er völlig richtig. Niemand wird von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten, weil nach 20 Jahren Inflation erstmals wieder die Zuzahlungen für Medikamente moderat erhöht werden. Und die Tatsache, dass die Gesundheitsministerin für ihr Reformpaket heftige Kritik auf dem Ärztetag einstecken musste und die Pharmaindustrie in ganzseitigen Anzeigen den Untergang des Forschungstandorts Deutschland an die Wand malt, beweist nur, dass das Paket sozial ausgewogen ist. Wobei man über das eine oder andere Detail natürlich streiten kann.
Roger Peltzer, Kerpen
Vielen Dank und dazu Blumen
„Skandalöse EU-Sanktionen für Journalisten,
taz vom 8. 5. 26
Danke für den klaren Artikel von Ulrich Bausch zum Thema Sanktionen gegen Journalisten.
Der Dank klingt viel zu trocken. Bitte einen leuchtenden Blumenstrauß danebendenken!
Maren Meyer-Stoll, Kassel
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen