piwik no script img

meinungsstark

Grausame Selbstverständlichkeit

Der Preis des Wegsehens. Der Krieg gegen Iran ist gefährlich. Ebenso hat die jahrelange Zurückhaltung gegenüber dem islamistischen Regime einen hohen Preis“,

wochentaz vom 28. 3. 26

Der Beitrag stellt den Krieg gegen den Iran als unausweichlich dar. Und der Preis der Diplomatie sei „auch hoch“. Diplomatie und Krieg werden hier offenbar als gleichwertige Optionen gesehen. Dabei ist Diplomatie (auch Rüstungskontollgespräche) immer vorzuziehen. Aber der Versuchung, auch mit Diktaturen Geschäfte zu machen, erliegt der Westen leider regelmäßig. Das Atom-Abkommen mit dem Iran hat sehr wohl etwas gebracht, bis es von Trump einseitig gekündigt wurde.

Die Iraner selbst leisten auch ohne Aufforderung von außen Widerstand gegen das Regime. Diese Menschen brauchen Unterstützung – aber nicht mit Bomben aus der Luft! Gewalt wäre am ehesten noch nachzuvollziehen gewesen, als das Regime im Januar die Massenmorde an der eigenen Bevölkerung beging. Es ist erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Krieg als Politikersatz gesehen wird. Krieg verursacht neben unermesslichem menschlichem Leid die Zerstörung lebensnotwendiger Infrastruktur, vergeudet Ressourcen und heizt die Klimakatastrophe an. Eduard Belotti, Augsburg

Hopfen und Malz verloren?

„Rechter Landwirt in Niedersachsen: Freundlich auf dem Hof, radikal im Studiokeller“, taz vom 6. 4. 26

Der Abdruck des ausführlichen Portraits des Bauern und AfD-Anhängers Christian Beißner durch die taz ist verdienstvoll. Zum einen zeigt es, dass es sich bei vielen AfD-Anhängern (aber auch Mitgliedern dieser Partei) eben nicht um eingefleischte Rechtsradikale handelt. Die geschilderte Motivlage des portraitierten Bauern, d. h. die Angst vor dem Verlust von Privilegien, die Angst vor Überfremdung, die Ablehnung des „woken“ Diskurses akademischer Eliten ist so auch für viele andere Bevölkerungsgruppen typisch. Der Ruf nach einem AfD-Verbot wird in der Auseinandersetzung mit dieser „Gemüts- und Einstellungslage“ relevanter Kreise der deutschen Bevölkerung nicht helfen.

Wir müssen uns stattdessen mit diesen Einstellungen auseinandersetzen. Die taz selbst wird das nicht tun können, da sie die entsprechende Zielgruppe nicht erreicht und natürlich auch nicht erreichen soll. Aber viele taz-Leser haben im Bekannten- und Familienkreis Personen, die AfD wählen oder überlegen zu wählen. Und mit denen darf der Kontakt nicht abgebrochen, sondern mit ihnen muss gesprochen werden, und zwar kontinuierlich und immer wieder. Dass dies nicht einfach ist, zeigt das Beispiel des portraitierten Bauern auch.

Dieselbe Erfahrung mache ich auch in der Diskussion mit Bekannten, die der AfD zuneigen. Relativ geschlossene und in eigenen „Blasen“ kultivierte Weltbilder aufzubrechen, ist nicht einfach. Da muss ich nur an meine eigene Jugend zurückdenken. Als junger Kommunist habe ich die Nachrichten über die massiven Menschenrechtsverletzungen im realen Sozialismus verdrängt oder gar gerechtfertigt. Aber steter Tropfen höhlt dann eben doch vielfach den Stein. Und dann gibt es auch hier und da Anknüpfungspunkte. Bauer Beißner wird als Besitzer einer großen Solaranlage auch nicht glücklich darüber sein, dass die AfD großflächig für die Abschaffung erneuerbarer Energien plakatiert. Roger Peltzer, Kerpen

Glory, glory hallelujah …

Betreff: Ich ertrag Trump-Land nicht mehr!

Ich hasse Amerikas Gier und Heuchelei! Ich verurteile Amerikas Kriegstreiberei! Ich verachte Amerikas Größenwahn! Amerika, du bringst die Welt in Gefahr! Ich bin kein Freund mehr von Amerika! Ich sehe, du fährst alles an die Wand! Ich halte Trumps Amerika für krank! Enrico W. Arndt, Heidelberg

„Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnams“ ist ein bekanntes Zitat von Ernesto „Che“ Guevara aus dem Jahr 1967. Donald Trump erzählt der Welt, dass er den Iran aus Spaß zerstört und besiegt hat. Diesbezüglich erinnert er mich an den Lügen-Präsidenten Richard Nixon. Roland Klose, Bad Fredeburg

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen