meinungsstark:
Eure Berichterstattung ist stark!
„V-Mann-Affäre in Bremen: Wo Behörden und Opposition faktenfern agieren“, und „Wie Spiegel und CDU die Gewaltenteilung angreifen“, taz vom 13. 2. 26
Ich finde eure Berichterstattung wirklich stark. So zum Beispiel zum Bremer V-Mann-Skandal. Für mich seid ihr das einzige Medium, das den tatsächlichen politischen Skandal klar sieht und nicht einfach auf das Narrativ vom Verfassungsschutz reinfällt. In vielen großen Medien wirkt es inzwischen fast so, als dürfte man grundlegende kapitalistische Strukturen gar nicht mehr ernsthaft kritisieren.
Auch den Angriff auf den Rechtsstaat und die Zivilgesellschaft, den der Spitzeleinsatz und alle nachfolgenden Ereignisse bedeuten, scheint nur ihr vernünftig einzuordnen und zu beleuchten.
Eure antifaschistische Berichterstattung finde ich extrem wichtig. Zum Beispiel beim Urteil zu Maja, beim Debanking verschiedener Vereine oder auch bei der Aufarbeitung rund um den NSU-Prozess und der dortigen Lügen. Da bleibt ihr dran, wo andere schon längst weitergezogen sind.
Während die Gesellschaft nach rechts rückt und dabei blind für den zunehmenden Rechtsextremismus, Rassismus und Autoritarismus wird, schaut ihr weiter hin.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich leider das Gefühl habe, dass eure Klimaberichterstattung sich oft viel zu sehr auf winzige vermeintliche Fortschritte fokussiert und dabei aus dem Auge verliert, wie physikalisch bedrohlich und potenziell auch vernichtend die Klimakrise mit zunehmender Wahrscheinlichkeit wird.
Ich verstehe, dass es ein schmaler Grat ist zwischen Fatalismus und strategisch notwendigem Pessimismus, aber ich hoffe, dass ihre euren Leser:innen zutraut, sich dem Backlash und der Verdrängung entgegenzustellen. Danke für eure Arbeit! Name ist der Redaktion bekannt
Dolce Vita mit Kind?
„Zwei Eltern sind zu wenig Vater, Mutter, Kind, Burnout. Geht das auch anders? Wie es ist, wenn drei Personen gemeinsam ein Kind planen und dabei eine Familie entsteht, in der es Platz für alle gibt“, wochentaz vom 14. 2. 26
„Jawoll!“, dachte ich, als ich den wochentaz Titel „Zwei Eltern sind zu wenig“ sah. Ich war gerade von einem Omaeinsatz zurückgekommen, wo ich gemerkt habe, wie gut es der jungen Familie tut, wenn sie ab und zu Unterstützung bekommt in allen Alltagsdingen. Das muss nicht die Oma sein. Doch dann kam der Titel „Mutter, Mutter, Mutter, Kind“, und die Geschichte ging ganz anders weiter.
Drei unternehmungslustige Frauen, noch nicht ganz ausgefüllt von ihren vielen amourösen Beziehungen, schaffen sich zu dritt, sozusagen als Krönung ihrer Selbstoptimierung und Ichbezogenheit, ein Kind an. Dabei geht es nur ganz am Rande darum, was dem Kind guttut. Vor allem werden die Emotionen und Befindlichkeiten der Mütter wichtig genommen: Stillen ist nicht in erster Linie zum Wohl des Kindes vorgesehen, sondern alles wird verhandelt und infrage gestellt, wenn es um „gleichberechtigte Elternschaft“ geht.
Ehrlich: Ich könnte kotzen! Dorothea Lindenberg, Eppstein
Naasunnguusunga
„Grönländische Selbstfindung“, wochentaz vom 12. 2. 26
Schön, dass ihr an der Berichterstattung über kulturelle und politische Entwicklungen auf Grönland dranbleibt.
Aber bitte verzichtet auf inhaltlich nichts zur Sache beitragende Beschreibungen von Kleidung, Frisur und Kosmetik weiblicher Akteurinnen, in diesem Fall von Naja Parnuua Olsen: „Gegen den arktischen Winter trägt sie einen dicken schwarzen Mantel, als sie die lila Wollmütze abnimmt, kommen ihre dunklen, kaum schulterlangen Haare zum Vorschein.“ Und „sie trägt ein schwarzes transparentes Kleid und darunter eine rote Strumpfhose, farblich abgestimmt auf Lippenstift und Lidschatten“ …
Das hat das Niveau von Boulevardpresse.
Bitte lasst das sein. Christiane Kowalik, Münster
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