: lamberto dini, italien, liberaler
Vom Amerikaner zum Europäer
Ein paar Monate Schatzminister unter Berlusconi (1994), ein Jahr Ministerpräsident einer Übergangsregierung (1995), dann Außenminister der Mitte-links-Koalition (1996–2001), jetzt Vizepräsident des Senats: Auf den ersten Blick hat Italien mit Lamberto Dini ein echtes Schwergewicht in den Konvent entsandt.
Tatsächlich jedoch blickt Dini auf eine kurze politische Karriere zurück, erst in den Neunzigerjahren fand der heute 70-jährige Notenbanker in die Politik. Vorher hatte er seinem Land als Manager bei der Notenbank und als Vertreter Italiens beim IWF gedient. Als „Amerikaner“ galt er seit seinen IWF-Tagen – aber die Zeiten ändern sich. Denn in der Prodi-Regierung mutierte der Außenminister vom „Amerikaner“ zum enthusiastischen Europäer und eifrigen Verfechter der Grundrechtecharta.
Für Dini ist selbstverständlich, dass die Mitgliedstaaten nicht darum herumkommen, weitere „Teile ihrer Souveränität“ an die Union abzutreten. Ob die nun Föderation oder Konföderation, Bundesstaat oder Staatenbund werde, sei ein alberner Streit, da die EU eben nicht historische Erfahrungen wiederhole, sondern etwas völlig Neues sei. Die „Nation“ müsse mit einer europäischen res publica verbunden werden. Das gehe nur mit einer EU-Verfassung, die sich nicht auf die Vereinfachung der Entscheidungswege in der Union beschränke. Auch sei nicht zu vertreten, dass das Europaparlament nur auf der Ausgaben-, nicht aber auf der Einnahmeseite des EU-Haushalts mitreden dürfe. MICHAEL BRAUN
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen