krieg in der ukraine:
80-jährige Frau in Charkiw von Drohne getroffen
Bei einem russischen Drohnenangriff auf die ostukrainische Millionenstadt Charkiw am Sonnntagnachmittag ist eine 80-jährige Frau verletzt worden. Die Drohne sei in einen 12-stöckigen Wohnblock in der Nähe eines Einkaufszentrums eingeschlagen, so die Behörden. Über die Gesamtzahl der Opfer bestand am Nachmittag noch keine Klarheit. In der Nacht zum Samstag waren bei Angriffen auf Charkiw 27 Menschen verletzt worden. (taz)
Tausende Häuser in Kyjiw erneut ohne Heizung
In der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw sind nach einem erneuten russischen Großangriff auch am Sonntag noch rund 1.700 Wohngebäude ohne Heizung. Bürgermeister Witali Klitschko erklärte auf Telegram, seit Samstagabend hätten Versorgungsunternehmen die Wärmeversorgung für mehr als 1.600 Gebäude wiederhergestellt. Russland hatte am Samstag einen weiteren massiven Raketen- und Drohnenangriff auf das ukrainische Energiesystem gestartet. In der Folge waren landesweit 1,2 Millionen Haushalte bei Temperaturen teils weit unter dem Gefrierpunkt ohne Strom. Dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Oleksj Kuleba zufolge waren in Kyjiw am Samstagmorgen zunächst 6.000 Gebäude ohne Heizung, am Abend waren es noch 3.200. Etwa eine halbe Million Einwohner haben die Stadt bislang verlassen. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, allein in der vergangenen Woche habe Russland mehr als 1.700 Angriffsdrohnen, über 1.380 gelenkte Fliegerbomben und 69 Raketen gegen die Ukraine eingesetzt. Er forderte die Verbündeten seines Landes auf, weitere Munition für die Luftverteidigung bereitzustellen. Es würden „jeden Tag Raketen für Luftverteidigungssysteme benötigt“, sagte Selenskyj am Sonntag bei seiner Ankunft in der litauischen Hauptstadt Vilnius. (rtr, afp)
Gespräche in Abu Dhabi sollen bald weitergehen
Die erste Runde direkter Verhandlungen in Abu Dhabi zwischen Delegationen der Ukraine, Russlands und der USA über einen Plan zur Beendigung des Ukrainekriegs ist am Samstag ohne erkennbare Fortschritte, aber auch ohne Scheitern zu Ende gegangen. Selenskyj bezeichnete die Gespräche als „konstruktiv“ und erklärte, dass beide Seiten zugestimmt hätten, sich erneut in Abu Dhabi zu treffen. Auch ein US-Regierungsvertreter erklärt, die Ukraine und Russland hätten „viel Arbeit“ erledigt. Die nächste Verhandlungsrunde solle am kommenden Sonntag stattfinden. Die Gespräche in Abu Dhabi waren die ersten in diesem Format über den US-Friedensplan, den Präsident Donald Trump im November erstmalig vorgelegt hatte und der seither mehrfach überarbeitet wurde. Kurz vor Verhandlungsbeginn hatte Moskau seine Maximalforderung bekräftigt, wonach die ukrainische Armee sich aus dem gesamten Donbass einschließlich nicht von Russland kontrollierter Gebiete zurückziehen soll. Dies lehnt die Ukraine ab. (afp, taz)
EU will russische Diplomaten kontrollieren
Zur Abwehr vor Spionage und Desinformation gilt in der EU ab Sonntag eine Meldepflicht für russische Diplomaten und Konsularbeamte sowie für ihre Mitarbeiter und Familienangehörigen. Sie müssen ab nun ihre Reisen zwischen Mitgliedstaaten mindestens 24 Stunden vorab anmelden. Das russische Präsidialamt geht derweil ungewöhnlich scharf mit der EU ins Gericht und lehnt jegliche Gespräche mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas ab. „Wir werden niemals mit ihr etwas besprechen, und die Amerikaner auch nicht, das ist doch klar“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow im russischen Staatsfernsehen. Man werde einfach abwarten, bis Kallas ihr Amt verlasse. Die Estin hat Russland vorgeworfen, keine Zugeständnisse zur Beendigung des Krieges in der Ukraine zu machen. Peskow sagte dazu: „Das sind irgendwelche ungebildeten inkompetenten Funktionäre, die nicht in Zukunft schauen und das heute existierende Koordinatensystem verstehen können.“ (rtr)
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