kabolzschüsse: Auf der Suche nach Berlins randigster Sportart
Flitziger Tischfussball:Subbuteo
Die Verfilmung von Nick Hornbys Fußballroman „Fever Pitch“ zeigt das flitzige Tischfußballspiel Subbuteo als Mosaikstein eines Methadon-Programmes für Fans – so wie Vorbereitungsspiele oder Hallenturniere in Ligapausen. Auswärtsspielabstinent philosophiert der Protagonist über seinen Masochismus und kokettiert damit, wie er begonnen hat, „das Elend, das der Fußball bietet, zu genießen“.
Doch diese Selbstbezichtigung inklusive Rechtfertigungs- und Entschuldigungszugabe haben nicht dazu geführt, dass alle Kinogänger nun mitleidig Subbuteo-Sets kaufen. Ganz im Gegenteil setzte ziemlich parallel zum Filmdebüt die Existenzbedrohung des 1925 in Liverpool erfundenen Miniaturkicks ein.
1995 übernahm die amerikanische Spielwarenfirma Hasbro die Produktion und erschwert seitdem die Schnippballerei mit skurrilen Marktstrategien. „Die haben das Produkt quasi vom Markt genommen“, bedauert Marcus Tilgner vom Zehlendorfer Sparta Spreeathen 74/82, „und seitdem müssen wir unser Zubehör auf abenteuerliche Weise organisieren.“
Im Zeitalter des spektakelvirtuellen Playstation-Fußballs wird es sowieso immer schwieriger Subbuteo-Greenhorns dauerhaft dafür zu begeistern, metallbeschwerte Plastikfigürchen, die kaum größer als der Ball sind, auf ausgescheuert grünem Stoffbelag herumzuschubsen.
Dennoch finden sich immer wieder welche, die das Fingertitschen in ein Hinterzimmer des Jugendfreizeitheims Düppel lockt. „Zuerst tun sie es als uncoolen Kinderkram ab“, so Tilgner, „aber nach ersten Matches packt einige der Ehrgeiz und sie erkennen, wie anspruchsvoll das Spiel wirklich ist.“
Im Gegensatz zum Tischfußball-Evolutionssieger Tipp-Kick spielt hier das taktische Verhalten eine gewichtigere Rolle. Während beim Tipp-Kick per Kopfdruck auf den Gusseisenkerl meistens direkt aufs Gehäuse gezirkelt werden kann, will ein Subbuteo-Angriff gut vorbereitet sein.
Elf gleitfähig polierte Minimännchen müssen per Zeigefinger-Tick ständig verlagert werden; möglichst so reaktionsschnell und geschickt, dass der Ballführende die Kugel nicht mehr berühren kann oder ins Abseits gleitet. Gelingt dies, kann der Verteidigende seine Siebener-Abwehrkette aufgeben und selbst versuchen, in das gegnerische Torschussviertel zu gelangen.
Erst von dort darf aufs Tor gewitscht werden, in dem der steife Fliegenfänger am Stiel kaum Reaktionszeit hat.
Obwohl keine Hochschüsse möglich sind, ist Subbuteo mit Dribblings, Passspiel und Fouls durch Plastikkörperkontakt die realistischste Fußballsimulation. Das Ende der Neunzigerjahre TV-gepuschte Pro Action Soccer wirkt da eher hektisch und durch eine Rampe für winkelakrobatische Freistöße auch peinlich.
Dagegen niedlich wirkt die gern erzählte Anekdote, dass der Vogelliebhaber Peter Adolph Subbuteo, den heutigen Nationalsport Maltas, nach dem Baumfalken benannte, lateinisch: falco subbuteo.
Auch Subbuteo-Werbespots gab es mal im TV. Fußballbegeisterte Kids, die mit Playmobil-Figuren, kleinen Gummischlümpfen und Murmeln Kinderzimmer-Meisterschaften improvisierten, sollten angesprochen werden. „Das war 1974, und das KaDeWe hatte eine beeindruckende Subbuteo-Ecke eingerichtet“, erinnert sich Marcus Tilgner am Rande des Spieltags der norddeutschen Einzelmeisterschaft am Samstag in der Lissabonallee. „Ich saß mit sechs Jahren vor dem Fernseher und nervte so lange,“ sagt Tilgner, „bis Oma mir zu Weihnachten ein Set schenkte.“
Da niemand mitspielen wollte, landete das Equipment bald in der berühmten Kiste unterm Bett. Aber Tilgner kramte es wieder hervor und mauserte sich zum derzeit Ersten der deutschen Einzelrangliste. Und am nächsten Wochenende geht es für den Zehlendorfer Sparta Spreeathen 74/82 zum Grand Prix bei Uherske Hradiste in Tschechien.
GERD DEMBOWSKI
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