: im reich der toten
BERLIN taz ■ Ein Volk trauert. 40 Tage lang. Immerhin hatte sich der am Samstag verstorbene syrische Präsident Hafis al-Assad nach seiner Machtergreifung 1970 zum „Führer bis in alle Ewigkeit“ wählen lassen. Und bei Wahlen hatten auch 98 Prozent der Bevölkerung dafür gestimmt, dass es bis in alle Ewigkeit so bleiben sollte. Wer allerdings gegen Assad opponierte, wurde inhaftiert: „Hunderte“ bis „tausende“ politische Gefangene registrierte amnesty international in den Gefängnissen.
Wie sehr getrauert und beweint wird, mag man an einem Spruch ermessen, der Assad gewidmet war: „Mit unserem Blut, mit unserer Seele, opfern wir uns für dich, o Hafis.“ Auch die taz gibt ihm ein Gedicht als letztes Geleit mit auf den Weg. „Das Reich der Toten“ stammt von Ernst Jandl und wurde in den 60ern geschrieben. Nicht für Assad. Jandl hatte dabei eher die Filme von Alfred Hitchcock im Kopf. Fast möchte man sich wünschen, dass in der lautmalerischen Form eine Weisung liegt, die den Syrern Hoffnung auf demokratischere Verhältnisse beschert. Allein, der Dichter, der diese Strophen so vollendet singen konnte, ist ebenfalls tot. Ernst Jandl starb am Freitag in Wien.
assads tod SEITE 6, jandls tod SEITE 13
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