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heute in Bremen„Ein Klima der Angst“

PROTEST Oxfam kämpft gegen die Missstände auf den Obstplantagen der Rainforest Alliance

Franziska Humbert

43, ist Referentin für Arbeitsrecht bei Oxfam Deutschland und Autorin der Studie „Süße Früchte, bittere Wahrheit“.

taz: Warum hält das Siegel „Rain­forest Alliance“ nicht, was es dem Verbraucher verspricht, Frau Humbert?

Franziska Humbert: Das Siegel steht für nachhaltigen Anbau und gute Arbeitsbedingungen auf den von ihnen zertifizierten Plantagen. Wir konnten in unserer Studie auf Farmen in Ecuador und Costa Rica jedoch feststellen, dass diese Versprechen nicht eingehalten werden. Die Gewerkschaftsrechte der Arbeiterinnen werden systematisch verletzt: Sie arbeiten mit Pestiziden, ohne die passende Schutzkleidung zu erhalten, der Mindestlohn wird unterschritten und Überstunden werden nicht bezahlt.

Wie sind Sie zu diesen Ergebnissen gekommen?

Wir haben Workshops mit Arbeitnehmerinnen durchgeführt und sie Zuhause interviewt. Hier liegt auch der Unterschied zu den Ergebnissen der Supermarktketten und Rainforest Alliance. Sie behaupten, dass die von uns entdeckten Missstände nicht zutreffen und stützen sich auf Gespräche mit dem Management und interviewten Arbeiterinnen nur während der Arbeit. Für uns ist klar, dass man solche Interviews nur in einem geschützten Raum führt. Auf den Plantagen traut sich niemand, Kritik zu äußern. Dort herrscht ein Klima der Angst.

Wer vergibt das Siegel?

Die Organisation Rainforest Alliance. Die Zertifizierung wird unter anderem auch von den auftraggebenden Produzenten bezahlt und bezieht sich auf unterschiedliche Produkte. Wir haben unsere Untersuchungen auf Ananas- und Bananenplantagen durchgeführt.

Gibt es alternative Siegel, denen man vertrauen kann?

Wir empfehlen immer das Fair-Trade-Siegel. Da ist nicht alles perfekt und es gibt noch Verbesserungsbedarf. Aber ein Unterschied ist, dass den Kleinbauern für ihre Produkte ein Mindestpreis, bezahlt wird, unabhängig vom Weltmarktpreis. Und es gibt Prämien, die die Bauern zum Beispiel für soziale Projekte und für die Schulbildung ihrer Kinder verwenden.

Was ist das Ziel Ihrer Kampagne „Fit für Fair?!“?

Wir möchten, dass Lidl zukünftig eine vernünftige und effektive Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Lidl soll faire Preise für die Produkte zahlen. Nachhaltigkeit gibt es nicht umsonst. Wer etwas billig und nachhaltig will, muss sich darüber im klaren sein, dass sich das auf die Lieferkette auswirkt.

Warum kämpfen Sie jetzt nur gegen nur Lidl?

Wir erhoffen uns einen Ketteneffekt, wenn Lidl voranschreitet. Zum einen finden wir die Lage bei Lidl besonders eindrücklich, zum anderen hat sich Lidl in der Vergangenheit für Kampagnen empfänglich gezeigt. Das heißt allerdings nicht, dass es bei anderen Supermarktketten keinen Verbesserungsbedarf gibt! Die Studie bezieht sich auch auf Edeka, Rewe und Aldi.INTERVIEW:PIA SIBER

11-17 Uhr, Oxfam Shop, Knochenhauerstraße 18/19

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